Schulleiter im Teilamt

Mit dem neuen Model hat sich in der Person des Schulleiters nichts geändert: Wie in den vergangenen Jahren leitet Walter Büchler die Schule Tübach. Neu ist, dass er nicht mehr unterrichtet, da er auf Ende des vergangenen Schuljahres seine Anstellung als Lehrer gekündigt hat, um sich selbständig zu machen. Seine Kündigung bezog sich nicht auf sein zweites Anstellungsverhältnis mit der Gemeinde. Walter Büchler habe den Wunsch geäussert, Schulleiter zu bleiben, sagt Schulpräsident Bruno Gschwend. «In der Schulkommission besprachen wir die Vor- und Nachteile und mögliche andere Modelle. Wir kamen zum Schluss, dass dieses Modell sicher nicht schlechter ist.» Für ihn birgt es klare Vorteile. Zum einen kennt Walter Büchler die Schule Tübach in- und auswendig. Zum andern verfügt er über eine langjährige Erfahrung als Lehrer und weiss daher um die Bedürfnisse der Lehrkräfte. «Walter Büchler kennt das Team, die Schüler, die Schulkommission. Da macht es Sinn, dass wir diese Synergie nutzen», begründet Gschwend.

Kein Rollenkonflikt
Ein weiterer, wichtiger Vorteil des Models: Walter Büchler ist nicht mehr gleichzeitig Vorgesetzter und Arbeitskollege. «Dieser Rollenkonflikt fällt weg. Er kann sich jetzt in der Funktion als Schulleiter positionieren», sagt Bruno Gschwend. Das mache es einfacher, pflichtet ihm Walter Büchler bei. «In anderen Kantonen wird ein ähnliches Model praktiziert. Der Schulleiter ist nicht in dem Schulhaus Leiter, in dem er unterrichtet. Um diesen Rollenkonflikt zu vermeiden.»

Engen Kontakt behalten
In der Schulkommission wurden aber auch Bedenken gegenüber dem Model geäussert. Dies bezüglich einer Distanz des Schulleiters zur Schule, dem Team und den Kindern, eben weil er nicht jeden Tag präsent ist. Dem will Walter Büchler entgegenwirken. Bereits im vergangenen Jahr hat er sich regelmässig mit den Lehrkräften in Fächergruppen getroffen. «Diese Gespräche sind gut angekommen und werden weitergeführt», sagt er. Am Dienstag, wenn er den ganzen Tag in der Schule ist, nutzt er die Pause, um den Kontakt zu Schüler und Lehrer zu pflegen. «Da spürt man den Puls der Schule», sagt er. Er plant, freitags ebenfalls in den Pausen anwesend zu sein. «Und was ausserhalb des Schulhauses läuft, das erfahre ich über die gleichen Kanäle wie vorher.» Den Kontakt zu den Eltern hat er durch seine Sprechstunde am Dienstagnachmittag. In den vergangenen sechs Wochen habe er mehr Eltern getroffen als im Jahr zuvor. «Die Eltern wissen, dass ich da bin, und kommen vorbei anstatt zu telefonieren. Das ist persönlicher.»

Nicht geändert hat sich der Kontakt zur Schulbehörde. Nach wie vor treffen sich Schulleiter, Schulpräsident und Schulsekretärin wöchentlich. Und über E-Mail sei man schnell erreichbar, sagt Bruno Gschwend. «Aufgrund des Wechsels diskutieren wir in der Schulkommission, ob wir die Beurteilung der Lehrkräfte an Walter Büchler delegieren können.»

Stellvertreter hat mehr Gewicht
Was die Organisation der Schulleitung betrifft, wurde die Stellvertretung aufgewertet. «Bisher kam sie höchstens zum Zug, wenn Walter Büchler abwesend oder krank war. Jetzt hat sie ein anderes Gewicht», sagt Bruno Gschwend. Ist der Schulleiter nicht vor Ort, ist sie die Ansprechperson. «Die Stellvertretung reagiert bei kurzfristigen Anliegen und hat die entsprechende Freiheit, zu entscheiden», sagt Walter Büchler. Die Gestaltung der Stundenpläne oder der Raumbelegung seien langfristige Aufgaben und könnten gut geplant werden. Es besteht auch ein Notfallplan, damit die Schulleitung trotz Abwesenheit des Schulleiters handlungsfähig bleibt, wenn etwas passiert. «Für die Schule bin ich jederzeit erreichbar», sagt Walter Büchler.

Kanton macht wenig Vorgaben
Er wie auch Bruno Gschwend sind mit dem neuen Model bisher zufrieden. Im Frühling 2008 wird es genau beurteilt, allenfalls werden Anpassungen gemacht. Keinem von beiden ist bekannt, dass andere Schulgemeinden ein ähnliches Modell führen. «Wir mussten eine Lösung für Tübach finden», sagt Bruno Gschwend. Die direkten Vorgesetzten und die Regionale Schulaufsicht sind informiert. Was die Schulleitung anbelangt, gibt der Kanton wenig vor. «Er verlangt, dass die Schule eine Leitung einsetzt, dass diese eine Lehrperson ist – also kein Manager oder Verwalter – und die Zusatzqualifikation als Schulleiter hat», sagt Rolf Rimensberger, Leiter Abteilung Unterricht beim Erziehungsdepartement. Darüber hinaus verfügen die Schulgemeinden über grosse Autonomie.