Schulhaus platzt aus allen Nähten

Unterricht im Treppenhaus. Eine Englischlehrerin, die täglich das Schulzimmer wechseln muss. Ein Computerraum, in dem manchmal zwei Schüler auf einem Stuhl sitzen müssen. Für den Tübacher Schulpräsidenten René Latzer und den Gemeindepräsidenten Michael Götte Zustände, die geändert werden müssen. Darum habe sich nach zweijähriger Pause die Arbeitsgruppe «Schulhauserweiterung» wieder an die Arbeit gemacht.
Unterricht in der Bibliothek
Heute werden im Schulhaus Tübach 122 Schulkinder unterrichtet. Für die nächsten Jahre wird in Tübach, entgegen dem Trend in anderen Gemeinden, eine Zunahme der Schülerzahlen erwartet – bis auf 150 im Schuljahr 2015/16. Dies auch aufgrund der regen Bautätigkeit in der Gemeinde, sagen Götte und Latzer.
Aber nicht nur die steigende Schülerzahl verlange nach mehr Raum, sondern auch der neue Lehrplan, sagt René Latzer. Und zwar schon auf das neue Schuljahr hin. Darum müsse in der heutigen Bibliothek ein Schulzimmer eingerichtet werden. Vorübergehend, betont Latzer und winkt ab: Nein, die Bibliothek werde nicht aufgelöst, zwischenzeitlich aber anderswo untergebracht.
Ehrgeiziger Zeitplan
Die Vorarbeiten für einen Erweiterungsbau sind bereits so weit gediehen, dass an der Bürgerversammlung vom 23. März ein Kredit in der Höhe von 216 000 Franken beantragt werden kann. Mit diesem Geld sollen ein Architektenwettbewerb und die Projektierung bezahlt werden. Sind die Pläne gemacht, werden die Stimmberechtigten über einen Baukredit abstimmen können – «an der Bürgerversammlung 2013», sagt Götte. Ein Erweiterungsbau wird etwa 3,5 Millionen Franken kosten. Ein ansehnlicher Betrag. Dazu sagt der Gemeindepräsident: «Wir möchten unserer Schule, einem Qualitätsmerkmal unseres Dorfes, eine zeitgemässe Infrastruktur zur Verfügung stellen. Die Kosten sollen dabei eine wichtige, aber nicht alles entscheidende Rolle spielen.» Bezugsbereit werden könnte der Erweiterungsbau auf das Schuljahr 2013/14 hin. Ein ehrgeiziger Fahrplan. «Es ist uns ein Anliegen, vorwärts zu machen und etwas Gutes zu realisieren», sagt René Latzer.
Unterricht an zwei Orten
Etwas Gutes: Das seien Schulzimmer, die den heutigen Anforderungen genügen. Etwas Gutes: Das sei auch genügend Raum, erklärt Latzer. Wenn bis heute der Unterricht im Schulhaus trotz des Raummangels ohne grosse Probleme funktioniert habe, so sei das vor allem auch auf ein gutes und flexibles Lehrerteam zurückzuführen, anerkennt Latzer.
Er und Götte führen durch das Schulhaus. Zeigen zum Beispiel das Schulleiterzimmer, ein kleines Kabäuschen, das früher dem Schulwart wohl als Besenkammer gedient hat. Nicht nur dieses Zimmer wurde in den vergangenen Jahren umgenutzt. Auch die Wohnungen gibt es nicht mehr, mussten Schulraum weichen. Unter dem Dach wurde die Bibliothek eingerichtet. Und die Kindergärten wurden ins ennet der Strasse liegende Mehrzweckgebäude verlegt. Hier wird auch Musik unterrichtet und hat die Logopädin ihr Unterrichtszimmer. Wegen der Bedürfnisse der Schule sei heute auch das Mehrzweckgebäude häufig komplett belegt. Für neue Bedürfnisse und kurzfristige Nachfragen bleibe meist kein Platz. Mit der Schaffung von neuem Schulraum könne das Mehrzweckgebäude wieder entlastet werden, erklärt Götte.
Bauen auf eigenem Land
Auch wenn durch all diese Veränderungen mehr Schulzimmer geschaffen werden konnten. Das Platzproblem konnte damit nur hinausgeschoben, nicht aber behoben werden. Es soll in einem Erweiterungsbau gelöst werden. Was nicht bedeute, dass das alte Schulhaus nicht mehr gebraucht werde, sagt der Schulpräsident. Im alten Schulhaus würden weiterhin sechs Schulzimmer untergebracht sein und auf jedem Stock ein Gruppenraum. Das Dachgeschoss soll gänzlich der Bibliothek zur Verfügung stehen.
Im Erweiterungsbau sollen sieben bis acht Zimmer untergebracht werden, inklusive jene für den Kindergarten, den Schulleiter. Platz für einen Neubau hat es genug. Und: Gebaut werden kann auf gemeindeeigenem Land.