Schlafen im Gaskessel?

Ab der Bruggmühle bis zur Mündung in den See soll entlang der Goldach ein Outdoor-Freizeitpark entstehen. Gestern präsentierten die vier Standortgemeinden Goldach, Untereggen, Tübach und Horn mit der Region Appenzell Ausserrhoden St. Gallen-Bodensee (Regio St. Gallen) das Grobkonzept. Verfasst hat dieses der Rorschacher Richard Lehner. «Unter der Maxime <laut und leise> möchten wir die Balance finden, bestehende Freizeitangebote mit neuen zu ergänzen.» Eine Balance, wie es sie im besagten Gebiet bereits heute gebe, wo natürliche Landschaften an genutzte Freizeitflächen wie etwa den Sportplatz und die Skateranlage am Dammweg grenzten.
Als erstes hat Richard Lehner eine Bestandesaufnahme der vorhandenen Angebote gemacht. Dazu gehören der Begegnungsplatz in Goldach und die Sport- und Freizeitanlage Kellen, aber auch der Rabenweg in Untereggen und der Wasserweg Goldach, die BMX-Bahn im Schuppis und die Badi Goldach. «Das Ziel ist, dass sie alle im Outdoor-Freizeitpark vernetzt und mit zwei oder drei neuen Angeboten ergänzt werden», sagt Lehner.
Hochseilgarten und Kletterwand
Im Grobkonzept werden eine Reihe von Ideen aufgelistet. Zum Beispiel ein Hochseilgarten. So einen, wie ihn die Gemeinde Pontresina im Sommer 2010 eröffnete. Dort können Kinder ab vier Jahren, Jugendliche und Erwachsene auf verschiedenen Routen zwischen den Bäumen herumklettern. Betrieben wird der Klettergarten nicht von der Gemeinde, sondern von einer Bergsportfirma.
Eine andere Idee ist eine Kletterwand an einem Pfeiler des Autobahnviadukts bei der Blumenegg in Goldach. Richard Lehner hat darüber bereits mit den Verantwortlichen des Kletterzentrums St. Gallen gesprochen. «Sie waren begeistert vom Projekt und könnten es sich vorstellen, hier einen Aussenposten zu führen mit Trainings und Wettkämpfen.»
Jugendherberge im Gaskessel
Eine Idee sticht besonders heraus. Die beiden Gaskessel auf dem Areal der Seewasserversorgung der Stadt St. Gallen im Rietli könnten in eine Jugendherberge oder in ein Informationszentrum für den Outdoor-Freizeitpark umfunktioniert werden. Als weitere Übernachtungsmöglichkeiten könnten Angebote wie Bed & Breakfast oder Ferien auf dem Bauernhof geschaffen werden. Auch die Badi Goldach könnte intensiver genutzt werden. Sie könnte beispielsweise mit einem Spa- und Wellnessbereich ergänzt und das Restaurant ausgebaut werden, um das Areal das ganze Jahr über nutzen zu können.
Private Anbieter gesucht
All diese Ideen stehen erst auf dem Papier. Jetzt suchen die Gemeinden und die Regio St. Gallen private Anbieter, die konkrete Freizeitangebote umsetzen möchten. Noch völlig offen ist ihre Finanzierung. Im Idealfall sollen sie selbsttragend sein. Die vier Gemeinden haben bisher je 3000 Franken für die Erarbeitung des Konzepts gesprochen, die Regio St. Gallen hat sich mit einem ähnlich hohen Betrag beteiligt. Ob und in welcher Höhe sie sich – und auch der Kanton – an einem konkreten Projekt beteiligen, ist ebenfalls noch völlig offen. Einig sind sich die Gemeinden und die Regio St. Gallen über den Nutzen des Outdoor-Freizeitparks. Er soll über die Region hinausstrahlen, zu einem Magnet werden: Er schaffe einen Mehrwert für die Region, der sich auch finanziell auszahlen könnte.