Professionell-privat retten

Herzinfarkte, Gehirnschläge oder schwere Autounfälle: Für diese Notfälle rückt Kurt Rohner nur noch selten aus. Der Rettungssanitäter war 27 Jahre lang im Rettungsdienst für solche grobe Ereignisse zuständig – bis es ihm zu viel wurde. «Ich wollte nicht mein ganzes Leben lang einen Job machen, bei dem ich mit ansehen musste, wie Kinder sterben oder tot in ihrem Bettchen liegen.»

Viele Krankentransporte
Vor zwei Jahren nutzte er deshalb die Chance und gründete in Tübach zusammen mit seiner Frau Anette den privaten Rettungsdienst «MedicusMobil». Heute rückt er mit seinem vierköpfigen Team 80- bis 100mal im Monat aus. Seine Hauptaufgabe liegt darin, Patienten von einem Spital oder Pflegeheim ins andere zu verlegen. Er fährt aber auch Kranke für Untersuchungen zum Arzt oder ins Spital.

«Bei einem Notfall müssen die Leute in jedem Fall zuerst den Hausarzt kontaktieren oder die Notrufzentrale St. Gallen anrufen», sagt Kurt Rohner. Dann kann es vorkommen, dass diese ihm die Einsätze zuteilen. Damit will Rohner den kantonalen Rettungsdienst unterstützen und nicht konkurrenzieren. Einen Einfluss auf die Ausstattung seiner Rettungswagen hat das nicht. Denn diese sind mit den neusten Technologien ausgestattet. Ihr Inneres ist mit diversen Überwachungsgeräten und Medikamenten vollgepackt.

Häufig erhält «MedicusMobil» auch Einsätze von der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega. Diese führen vor allem im Winter sehr oft nach Österreich, beispielsweise bei Skiunfällen. Anette und Kurt Rohner sind aber auch schon nach Frankreich, Deutschland, Italien und sogar Kroatien gefahren, um verunfallte oder erkrankte Urlauber nach Hause zu holen. Den Grund sieht Rohner darin, dass viele Urlauber lieber in der Schweiz hospitalisiert werden wollen als im Ausland.

Töfffahrer das Leben gerettet
Das prägendste Ereignis war für ihn jene Nacht, als er einen Patienten vom Kantonsspital St. Gallen nach Rorschach verlegen musste. Auf Höhe Meggenhus wurde er Zeuge eines Unfalls: Ein Töfffahrer hatte die Kontrolle über sein Motorrad verloren und lag blutüberströmt am Strassenrand. Kurt Rohner zögerte keine Sekunde, stieg aus und leistete erste Hilfe, bis der kantonale Rettungsdienst eintraf.

Positive Startjahre
In den beiden ersten Jahren, in denen Rohner sein Geschäft führt, hat sich einiges zum Positiven verändert. So konnte er einen weiteren Rettungssanitäter einstellen. Das sei nicht selbstverständlich, da seine Mitarbeiter nicht annähernd so viel Lohn erhalten wie beim kantonalen Rettungsdienst, sagt Rohner. Ebenfalls positiv entwickle sich der Kontakt mit der Notrufzentrale, der intensiver geworden sei und somit auch zu mehr Aufträgen geführt habe.