Prickelnde Electro-Klänge

Ein unscheinbares Industriegebäude am Rand von Goldach. Hinter der Eingangstüre aus Metall, im ersten Stock, wird seit Ende letzten Jahres wieder fleissig und mit viel Elektronik produziert – und zwar Musik. Das neuste Produkt: «Can», das erste Album des Electro-Duos Soda. Der Inhalt der «Dose» ist um ein Vielfaches energiereicher als jeder Energy Drink – und dabei kein bisschen wässrig, sondern voller prickelnder Electro-Klänge. «Can» ist ein reifes und rundes Début, das praktisch ohne Füller und den musikfeindlichen E-Stoff Eintönigkeit auskommt und dem man nur an wenigen Stellen die Erstproduktion seiner Schöpfer Manuel Loepfe und Pascal Glatz anhört.

Im Flugzeug entstanden
Vor allem hat «Can» einen ausgeklügelten dramaturgischen Aufbau und entsprechend einen Flow, der einen von Anfang an mitzieht und nie abreisst. Das Eröffnungsstück «FCKDJA», «Traffic» und «On My Mind» pumpen die schweren Beats direkt in den Kreislauf. Die luftigeren Stücke des Mittelteils wie «No Way» oder «ZRH-SFO», das Loepfe zum grossen Teil hoch über den Wolken während eines Flugs nach San Francisco auf seinem Laptop produziert hat, gehen über in atmosphärische Nummern wie «Clock Hands» oder «Manipulated By TV-Screen».

Zum Schluss dominiert mit «Rush» oder «Nuggi» richtig harter Electro, ehe die Platte im cineastischen «I Was Never Taught Everything» ausklingt.

Ständige Entwicklung
Seit 2002 machen die beiden Mittzwanziger, die in Tübach aufgewachsen sind und sich in der Sekundarschule kennengelernt haben, zusammen Musik. Erste Versuche mit Hip-Hop schlugen zwar fehl, die Freude am Produzieren eigener Klänge blieb jedoch bestehen. Über Trip-Hop und Ambient gelangte das Duo schliesslich zum Electro, der sich mal an House orientiert, dann an Big Beat. «Unser Sound entwickelt sich ständig weiter. <Can> ist eine Momentaufnahme», meint Pascal Glatz. Es sei wichtig gewesen, die mehrjährige Arbeit auf die nun veröffentlichten fünfzehn Tracks zu reduzieren und diese zu veröffentlichen, um einen Schritt weiter zu kommen, sagt Manuel Loepfe. Davor hätten sie jedesmal aufs neue an Silvester auf die erste Platte im darauffolgenden Jahr angestossen.

Steinchen um Steinchen
Die Initialzündung für «Can» war, als «On My Mind» 2009 im Nachtprogramm von DRS 3 zu laufen begann. Dass man so prominent wahrgenommen wurde, habe sie in ihrer Arbeit bestätigt und angetrieben. Vor rund einem Jahr begannen Soda mit der Arbeit an der Platte – mit dem Ziel, sie vor dem Jahreswechsel abzuschliessen. «Am 30. Dezember standen wir in Jacken gehüllt in unserer ungeheizten neuen Zentrale und fügten das letzte Steinchen ins Mosaik ein», erzählt Loepfe. Dabei haben sie von den Aufnahmen und der Produktion über die grafische Gestaltung bis zu den administrativen Aufgaben alles (ausser das Mastering) selbst gemacht. Bei der Plattentaufe heute in der Grabenhalle wird der Zweimannbetrieb von Videsad unterstützt, der die Musik mit Visuals untermalen wird.