Politikerinnen machen Eindruck

Spannend die Ausgangslage für die Ersatzwahl in den Gemeinderat Tübach. Die Stimmberechtigten können im wahrsten Sinne des Wortes wählen. Denn drei Bewerber gibt es für den von Yvonne Bienvenue Mayer freiwerdenden Sitz. Am Mittwochabend stellten sich die beiden Kandidaten Ulf Klenke und Markus Knaus im Rahmen einer Podiumsdiskussion vor. Birgit Koster Schöb hatte sich entschuldigt, da sie sich just an diesem Tag einer Operation unterziehen musste.
Fragen zu Kernthemen, gestellt vom Moderator des Abends, Tagblatt-Redaktor Ruedi Hirtl, hatte sie schriftlich beantwortet. Nicole Tinner übernahm die Aufgabe, an diesem Abend für Birgit Koster Schöb zu sprechen. So erhielten die etwa 110 Anwesenden im Mehrzweckgebäude doch Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Kandidierenden.
Mitgestalten und mitreden
Alle Kandidierenden haben drei Kinder. Alle leben gerne in Tübach, und alle bekunden den Willen, sich für ihre Gemeinde zu engagieren. Nicole Tinner, am Mittwochabend die Stimme von Birgit Koster Schöb, erklärte, dass die 47jährige Grafikerin Koster Schöb seit einem Jahr in der Kulturkommission mitarbeite und nun ihr Engagement für die Gemeinde gerne im Gemeinderat erweitern möchte. Sich engagieren, etwas tun für die Gemeinde, mitgestalten und mitreden, das möchten auch der 53jährige gelernte Buchdrucker Klenke und der 45jährige diplomierte Landschaftsgärtner, heute im Aussendienst tätige Markus Knaus.
«Frischen Wind bringen»
Bei der Frage, was die Kandidierenden in der Dorfpolitik anders machen würden, dürfte wohl der anwesende Gemeindepräsident Michael Götte die Ohren gespitzt haben. Was er zu hören bekam, dürfte ihn nicht beunruhigen. Es waren Komplimente. So liess Birgit Koster Schöb verlauten, dass «die Organisation der Gemeinde gut aufgestellt» sei. Auch Knaus, seit sechs Jahren Tübacher Ortsbürger und seit vier Jahren in der GPK der Ortsgemeinde engagiert, möchte nicht alles auf den Kopf stellen, aber etwas «frischen Wind» bringen, sich aber zuerst einarbeiten. Und der seit etwa einem halben Jahr in Tübach wohnende Klenke sagte: «Nach so kurzer Zeit steht es mir nicht zu, ein Urteil abzugeben.» Aber: «Ich bin bis heute zufrieden.»
Autonom bleiben
In Tübach wird also eine Dorfpolitik betrieben, die von den Kandidaten mitgetragen werden kann. Wie stehen sie aber einer Gemeindefusion zur Stadt am See gegenüber? Die seit 17 Jahren in Tübach lebende Birgit Koster würde eine gute Vernetzung im sozialen und politischen Leben sowie die Zusammenlegung einzelner Ämter aus Kostengründen begrüssen. Der seit 15 Jahren in Tübach wohnende Knaus sagte, er sei mit Leib und Seele Tübacher, und darum sei für ihn eine Fusion nur ein «Notnagel». Und Klenke: «Eine so gesunde und lebhafte Gemeinde wie Tübach hat die Kraft, autonom zu bleiben.» «Richtig», tönte es da aus dem Publikum.
Als richtig bezeichneten Knaus und Klenke auch das Vorhaben, das Schulhaus für drei bis vier Millionen Franken zu erweitern (siehe Kasten). «Es braucht den Platz», sagt Knaus. Und Klenke: «Ich bin absolut dafür.»
Nichts gegen Frauen
Sollte am 11. März einer der zwei Kandidaten gewählt werden, wäre der Tübacher Gemeinderat nach dem Ausscheiden der Gemeinderätin Yvonne Bienvenue Mayer wieder ohne Frau. Für den Moderator Hirtl Grund, die beiden zu fragen, was sie denn von einer Frauenquote halten. Eine erste Antwort aus dem Saal: Applaus von den Frauen. Dann die Antworten der kandidierenden Männer. Markus Knaus sagte, hätte er früher gewusst, dass Birgit Koster Schöb kandidiere, hätte er es sich vielleicht nochmals überlegt. Ähnliches sagte Ulf Klenke. Und dass sie wirklich nichts gegen Frauen haben, kam in den Antworten auf eine Frage aus dem Publikum deutlich zum Ausdruck. Ein Tübacher wollte von den Kandidaten nämlich wissen, welche Politikerin oder welcher Politiker sie am meisten beeindrucke. Eveline Widmer-Schlumpf, sagte Markus Knaus. Doris Leuthard und Karin Keller-Sutter, sagte Ulf Klenke.