Ortsbürger putzen ihren Wald

«Waldputzete» heisst der Anlass offiziell, zu dem die Ortsbürgergemeinde Tübach am vergangenen Samstag eingeladen hatte. Bei einem Besuch vor Ort wird aber schnell klar, dass dieser Begriff das Programm des Tages nicht ganz korrekt umschreibt. Es geht nämlich nicht darum, den Wald zu putzen, also ihn von Abfall zu befreien. Es geht vielmehr darum, ihn zu pflegen. Waldpflege sei denn eigentlich auch eine bessere Umschreibung für den Anlass, sagt einer der Anwesenden. «Man könnte es auch Waldtag nennen», sagt Patrick Bischoff, Präsident der Ortsbürgergemeinde Tübach und Organisator der Waldputzete.
Wenig Wald und doch zu viel
Doch was wird an diesem Tag genau gemacht? Um neun Uhr morgens versammelten sich etwa 30 Frauen, Männer und Kinder in der Nähe des Dorfplatzes in Tübach. Die Gruppe machte sich auf zu einem Waldstück im südlichen Teil des Tübacherholz, das der Ortsbürgergemeinde gehört. «Uns gehören etwa sechseinhalb Hektaren Wald», sagt Patrick Bischoff. Interessant daran: Etwa achtzig Prozent der Fläche ist auf Mörschwiler Boden. Es sei nicht wahnsinnig viel Wald, sagt Bischoff, aber doch «zu viel, um nichts zu machen». Ein Forstunternehmen hatte im Dezember schon Vorarbeit geleistet und einige Bäume gefällt. Jetzt geht es darum, die herumliegenden Äste zu sammeln, den Waldrand zu pflegen und die gefällten Bäume zu Nutz- und Brennholz weiterzuverarbeiten.
Auch gesellschaftlicher Anlass
Es ist früher Nachmittag, ein grosser Teil der Arbeit ist gemacht, das Waldstück sieht schon ordentlich und aufgeräumt aus. Würste brutzeln auf dem Grill. Die Leute sitzen an den Festbänken, trinken, essen, unterhalten sich. Kinder rennen herum, ein Knabe schnitzt an einem Ast. Der Bach plätschert im Hintergrund, die Sonne scheint – es ist gemütlich. «Die Waldputzete soll unbedingt auch ein gesellschaftlicher Anlass sein», sagt Patrick Bischoff. Es kämen auch jedes Jahr wieder etwa die gleichen Leute, man kenne sich, einige seien schon seit Jahrzehnten dabei. «Es ist ein öffentlicher Anlass, auch wenn die meisten Anwesenden Tübacher Ortsbürger sind.» Ein paar junge Männer verabschieden sich schon wieder. «Kein Problem», sagt Bischoff. «Es ist ein ungezwungener Anlass. Jeder soll kommen und gehen, wann und wie er möchte.» Andere Männer können es nicht lassen und arbeiten schon wieder. Sie spalten auf einer Maschine Baumstämme zu Brennholz. Wie Präsident Patrick Bischoff erklärt, wird dieses Brennholz etwa zwei Jahre lang getrocknet und nachher im Dorf verkauft. Das Geschäft mit dem Brennholz läuft sehr gut, sagt Bischoff. Er stellt aber auch klar: «Das grosse Geld verdienen wir damit nicht.» Dieses Jahr habe es etwa 20 Kubikmeter Brennholz gegeben, sagt einer der anwesenden Ortsbürger.
Wald nicht verwildern lassen
Seit den späten 1970er-Jahren wird die Waldputzete einmal im Jahr durchgeführt, sagt Bischoff und stellt nochmals klar: «Mit Abfall haben wir in unserem Waldstück überhaupt kein Problem.» Der Begriff sei irgendwie mal entstanden und dann zur Tradition geworden. Doch warum braucht es diese Waldputzete überhaupt? «Der Wald würde sonst vollkommen verwildern», erklärt Bischoff. «Das ginge natürlich auch. Wir als Ortsbürgergemeinde aber wollen die Verantwortung wahrnehmen und kümmern uns deshalb um unser Waldstück.» Dazu gehöre auch, dass die Ortsbürger es auch während des Rests des Jahres nicht einfach sich selbst überlassen. Es reiche denn auch nicht, einmal pro Jahr einen Tag zu investieren. «Einige Mitglieder der Ortsbürgergemeinde kümmern sich auch sonst ab und zu um den Wald», sagt Bischoff. Und spätestens nächstes Jahr gehört dem Waldstück wieder ein ganzer Tag gewidmet – an der nächsten Waldputzete.