Morgen gibt er die Schlüssel ab

Entspannt sitzt er in seinem Büro im Goldacher Raiffeisen-Gebäude, wo er als Vorsitzender der Bankleitung arbeitet. Auf dem Tisch eine Flasche Tübacher Wasser. Neben dem Pult ein Kerzenständer, gefertigt aus einem Wasserrohr. Hinweise auf Ernst Lochers Arbeit als Tübacher Gemeinderat und gleichzeitig als nebenamtlicher Leiter der Technischen Betriebe. Morgen wird er vier Schlüssel abgeben, jenen der Elektra, der Wasserversorgung, für die Verteilkabinen und jenen für das Gemeindehaus. Locher lacht. Etwa zehn Schlüssel seien es gewesen, als er vor sieben Jahren als frischgewählter Gemeinderat sein Amt übernommen habe. Seither habe sich viel verändert, nicht nur die Anzahl Schlüssel.
Auf Lecksuche
Ernst Locher nennt einige Stichworte: Digitalisierung der Werkpläne, Neubau eines Grundwasserpumpwerkes zusammen mit der Gemeinde Horn, Kooperation mit den Technischen Betrieben Goldach, Überarbeitung der Reglemente. Und: «Zu Beginn arbeitete ich noch viel mehr operativ.» Das heisst: Damals sei er noch mit einem Hydrantenschlüssel im Kofferraum unterwegs gewesen. Und sei irgendwo ein Leck entdeckt worden, sei er gerufen worden. Das ist heute nicht mehr so. Der Bauverwalter habe viel Operatives übernommen, sagt Locher und fügt an: «Das ist auch gut so.» Trotzdem: Die Suche nach Lecks möchte er nicht missen. Denn: «Operative Erfahrungen helfen bei strategischen Entscheiden.»
Strategische Entscheide musste er denn auch zusammen mit dem Gemeinderat fällen. Zum Beispiel, was das Grundwasserpumpwerk betraf. Während Lochers Amtszeit lief die Konzession des Kantons für das alte Grundwasserpumpwerk aus. Was tun? Ein eigenes bauen für etwa drei Millionen Franken? Das wäre für Tübach zu teuer gewesen, sagt Locher, der sich als oberstes Ziel «die höchstmögliche Versorgungssicherheit» auf die Fahne geschrieben hat. Der Weg dahin führte über die Kantonsgrenze nach Horn. Gemeinsam realisierten die beiden Gemeinden das Grundwasserpumpwerk, das «uns eine autonome Wasserversorgung gewährleistet».
Das Wasser ist das eine, die Elektrizität das andere. «Wir haben keine Freileitungen mehr. Im vergangenen Jahr wurde die letzte in den Boden verlegt.» Stolz schwingt in der Stimme von Ernst Locher mit. Er war gerne nebenamtlicher Leiter der Technischen Betriebe. Und die Freude an der Arbeit wurde auch nicht kleiner, als er feststellen musste, dass der Zeitaufwand grösser war, als er ursprünglich angenommen hatte.
Am Bach und im Wald
Ab morgen Sonntag hat Locher wieder mehr Zeit für Familie und Hobbies. Und in seinem Kofferraum wird man wohl keinen Hydrantenschlüssel mehr finden, sondern eher Angelrute und Jagdflinte. Für das Fischen «an meinem Bach», wie Locher den Dorfbach scherzhaft nennt. Für die Jagd in «einem der schönsten Reviere in der Gegend, das zudem direkt vor meiner Haustür liegt». Locher freut sich spitzbübisch, als er davon erzählt, dass er eine Woche vor Weihnachten erfahren habe, er sei als Pächter in die Jagdgesellschaft Untereggen-Goldach aufgenommen worden – «ein schönes Weihnachtsgeschenk». Am Neujahrstag wird Ernst Locher ohne die Würde und Bürde eines Gemeinderates, aber mit seiner Gattin und mit dem Hund unterwegs sein. «Wir werden durch die Wälder streifen und das Jagdrevier erkunden.»