Mit dem Bike durch Südafrikas Steppe

Er hätte besser sein können, der Start. Platten, Pech und Pannen kosteten Kurt Plachel und seinen Teamkollegen Reto Schläpfer am ersten Tag des Cape Epic viel Zeit. Dennoch schafften sie es nach acht Tagen und 720 Kilometern ins Ziel des härtesten Mountainbike-Rennens der Welt – als 186. von insgesamt 600 Zweierteams. Ein schöner Erfolg für den 60jährigen Plachel. «Und ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.»
2250 Franken Startgeld
Für den Tübacher ging mit der Teilnahme ein Traum in Erfüllung. Mit 13 Jahren ist er sein erstes Velorennen gefahren, seit 30 Jahren gilt seine Leidenschaft dem Mountainbiken. «Es ist einfach eine Passion», sagt er. Der 60-Jährige fährt hauptsächlich Marathon, fünf bis sechs sind es pro Jahr. Der Ehrgeiz treibt ihn an. «Es ist ein tolles Gefühl, in den vorderen Reihen mitzufahren.»
Dass er im vergangenen März überhaupt am Cape Epic starten konnte, ist einem glücklichen Zufall zuzuschreiben. Denn die Startplätze für Amateure sind begehrt. Entweder man gewinnt einen bei der Verlosung oder kommt durch Kontakte zu Mitarbeitern vor Ort an einen Startplatz. «Ein Kollege kennt eine der Mitarbeiterinnen, die mir ein Ticket geschenkt hat.» Damit hatte es sich aber noch nicht: 2250 Franken Startgeld musste Plachel bezahlen. Darin enthalten ist ein Rundumservice – von der Unterkunft in Zelten über Mahlzeiten, den Bike-Service bis hin zu Massagen
Kondition und Konzentration
Doch nicht nur deshalb hat sich die Investition für Plachel gelohnt. «Es war ein Rennen durch eine gigantische Landschaft, das man so schnell kein zweites Mal erlebt.» Von den Seen, Weingütern und Südafrikas eindrücklichen Bergketten hat der Biker allerdings nicht viel mitbekommen. Denn die bis zu 134 Kilometer langen Etappen forderten nicht nur Kondition, sondern auch Konzentration. «Teerstrassen sind eine Seltenheit», sagt Plachel. Vielmehr geht es durch die afrikanische Wildnis, über Sandpassagen, durch Flüsse, loses Geröll, über Pässe und durch Täler. Auch das Fahren als Zweierteam war für den Biker etwas Besonderes. «Man muss sich auf den anderen einlassen, einander helfen und akzeptieren, wenn der Partner nicht mehr kann.»
Schlamm statt Staub
Neben dem ungewohnten Terrain war die Hitze die grösste Herausforderung. Doch nicht immer war es brütend heiss. «In der Nacht vor der zweiten Etappe schüttete es wie aus Kübeln», sagt Plachel. Was am nächsten Tag folgte, war eine 100 Kilometer lange Schlammschlacht. Die Fahrer waren von einer dicken Schlammschicht bedeckt, nur mit Mühe kamen sie auf dem feuchten Untergrund vorwärts. «Das zehrte an den Kräften. So etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt.» Trotzdem: An seine Grenzen sei er nicht gekommen, sagt Plachel. Das sei vor allem seiner intensiven Vorbereitung zu verdanken. Über sechs Monate lang hatte der Biker, der für das Team Bischibike fährt, auf das Rennen hingearbeitet. Fünfmal pro Woche hatte er trainiert, bis zu vier Stunden pro Einheit. «Das werde ich auch beim nächsten Mal so machen», sagt er. Denn eines steht für den 60-Jährigen fest: «Ich will unbedingt ein zweites Mal an den Start.»