Mit Ferrari an die Weltspitze

Dass er einmal mit einigen der teuersten Autos der Welt arbeiten würde, hätte Antonio Torres nicht gedacht, als er vor zwanzig Jahren seine ersten Gehversuche als Automechaniker unternahm. Heute tut er nicht nur genau das, sondern er gehört nach dem Gewinn der Ferrari Technician Challenge auch zu den besten seines Faches weltweit.
Zehn Finalisten
Wer diesen speziellen Weltmeistertitel erringen will, muss sich gegen harte Konkurrenz durchsetzen. «Ferrari führt jedes Jahr ein sogenanntes Assessment mit sämtlichen lizenzierten Technikern durch», erzählt der Tübacher, der im appenzellischen Stein bei der Sportgarage Leirer AG arbeitet. Das Assessment bestehe aus schriftlichen Prüfungen, die dem Ferrari-Konzern helfen, das Niveau im weltweiten Netz zu bestimmen und allenfalls Weiterbildungen zu planen. «Die zehn Mechaniker, die bei diesen Tests ab besten abschneiden, dürfen an den Final in Maranello reisen, wo man seine Fähigkeiten auch in der Praxis beweisen muss.»
Zu den Finalisten gehörte im vergangenen Jahr – wie übrigens bereits 2010 – Antonio Torres. Begeistert erzählt er von seinen Erlebnissen: «Wir durften auf der Rennstrecke von Fiorano verschiedene Ferrari-Modelle testen. Instruktoren zeigten uns, wie man mit den Sportwagen kontrolliert bis ans Limit fahren kann.» Auch wenn man täglich mit solchen Autos arbeite, sei es schon etwas Spezielles, sie auf der Rennstrecke auszuprobieren.
Diagnose unter Zeitdruck
Am Prüfungstag würden abwechselnd praktische und theoretische Kenntnisse getestet. Im Praxisteil müsse man Fehlfunktionen an verschiedenen Modellen diagnostizieren. «Die Zeit dafür ist ziemlich knapp. Entscheidend sind die ersten fünf Minuten, in denen man grob bestimmen muss, um welchen Defekt es sich handelt.» Wenn man den falschen Weg einschlage, sei die Aufgabe nämlich kaum noch innerhalb des Zeitlimits zu lösen. «Ich war ganz schön nervös», gibt Torres zu.
Danebst würden Kenntnisse in den verschiedensten Kategorien wie Motormanagement, Elektrik oder Komfort verlangt. Natürlich habe er sich auch auf den Final eingehend vorbereitet, Theorie gebüffelt, sich mit den vielen verschiedenen Diagnosesystemen und Fahrzeugmodellen vertraut gemacht.
Aber, so Torres, alles könne man nicht auswendig lernen. Der Knackpunkt sei, «die richtige Entscheidung im richtigen Augenblick zu treffen». Dabei helfe einem vor allem Erfahrung und Nervenstärke. Schliesslich könne jedoch auch die Tagesform entscheidend sein – alle zehn Finalteilnehmer seien nämlich super Mechaniker.
«Wir sind Teamplayer»
Bei der Leirer AG ist man stolz auf den «hauseigenen» Weltmeister: «Bereits nach der Finalteilnahme von Antonio im Jahr 2010 haben wir viele wohlwollende Reaktionen von Kunden erhalten. Es ist schön, wenn sich die jungen Leute im Beruf entfalten und dazulernen können», sagt Fritz Leirer, bis vor drei Jahren Berufsbildungsobmann der Schweizer Automobilmechaniker. Er mahnt aber auch: «Das Geschäft darf nicht nur an einer einzigen Person hängen. Wir sind Teamplayer.» Antonio Torres fügt an: «Das wichtigste ist, dass die Kunden zufrieden sind.»
Wenn er die Möglichkeit erhalte, sei er nächstes Jahr gerne wieder in Maranello dabei, sagt Antonio Torres. «Das ist für mich jedes Jahr eine Chance, mich zu beweisen. Ausserdem bleibe ich durch die eingehende Vorbereitung fit in Theorie und Praxis und man lernt immer etwas Neues.»