Mit Empathie gegen Aggression

Gewalt auf dem Pausenplatz kennt die Schule Tübach nicht. Zwar gebe es mal eine Rauferei, eine hohe Bereitschaft, sich zu schlagen, sei aber nicht vorhanden, sagt Schulleiter Walter Büchler. «Wir sind eine kleine, überschaubare Schule.» Trotzdem will das Lehrerteam das Thema präventiv aufgreifen. Am Montag besuchten die Lehrkräfte, die Kindergärtnerinnen, die Schulleitung sowie zwei Mitglieder der Schulkommission und der Hauswart dazu eine Fortbildung. Sie knüpft gleichzeitig an ein Projekt zum Thema Gewalt an, das die Schule vor zwei Jahren durchgeführt hat.

Zuerst die Theorie…
In «Faustlos» fand Walter Büchler ein Konzept, das «zu unserer Schule passt». Andrea Stephan, diplomierte Pädagogin und «Faustlos»-Trainerin für das Heidelberger Präventionszentrum, das die Fortbildung anbietet, führte zuerst in die Theorie ein. Sie erläuterte die Lernziele der drei Einheiten Empathieförderung, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut, auf denen das Programm aufbaut. Sie zeigte zudem auf, wie die Lektionen zu den Einheiten strukturiert sind und umgesetzt werden können. Und sie stellte die Hilfsmittel aus dem «Faustlos»-Koffer vor wie Folien mit Szenen von Konfliktsituationen aus dem Alltag und ein Handbuch mit theoretischen und entwicklungspsychologischen Hintergrundinformationen. Ihre Ausführungen unterstrich sie immer wieder mit konkreten Beispielen.

…dann die Praxis
Am Nachmittag spielten die Teilnehmer im Rollenspiel selbst einige Lektionen durch. «Das hat viel Klarheit gebracht, wie die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann», stellt Walter Büchler fest. Es sei interessant gewesen, sich einmal in die Gefühlswelt der Kinder hineinzuversetzen.

«Faustlos» hat überzeugt. Die Lektionen seien gut umsetzbar, lautet die einhellige Meinung der Lehrkräfte. Deshalb wollen sie es ab nächstem Schuljahr umsetzen in einer Lektion pro Woche. «Wir wollen auch die Eltern einbeziehen», sagt Walter Büchler. Wie, das sei noch offen. Die Lehrkräfte versprechen sich von «Faustlos», dass sich aufgrund der Förderung des Verständnisses der eigenen Gefühle und jene der anderen der Umgang der Kinder untereinander und zu den Erwachsenen positiv entwickelt. «Versteht man den anderen besser, geht man besser miteinander um.»

Stichwort
Faustlos
«Faustlos» basiert auf dem amerikanischen Programm Second Step, entwickelt vom Committee for Children in Seattle. Es ist ein Lehrprogramm, das die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen fördert, damit sie schwierige Situationen ohne verbale oder psychische Gewalt lösen können. Das Programm baut auf die für eine Gewaltprävention zentralen Bereiche Empathie, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut auf. Die Förderung der Empathie zielt auf das Verstehen der eigenen Gefühle und das Eingehen auf andere Personen, die Impulskontrolle auf das Unterbrechen einer Aktivität und das Lösen von Problemen. Die dritte Einheit fokussiert auf den konstruktiven Umgang mit Ärger und Wut. «Faustlos» gibt es für den Kindergarten und die Grundschule. In Arbeit ist eine Version für die Sekundarschule.