«Man glaubte mir zuerst nicht»

Herr Bauer, was hat die Nachricht in Ihnen ausgelöst, dass im Strandbad Bruggerhorn in St. Margrethen eine Frau angeschossen worden ist?T
homas Bauer: Ich musste schmunzeln, zumal die Sache glimpflich ausging. Beim Zmorge sagte ich zu meiner Frau: «Das kennen wir doch…»
Wie haben Sie Ihr spezielles Erlebnis vom Sommer 1975 in Erinnerung?
Bauer: Ich war elfjährig und besuchte einen Schwimmkurs im Strandbad Rorschach. Als ich am Beckenrand stand, nahm ich plötzlich einen Schmerz in der linken Schulter wahr, der sich in den Oberarm zog. Als ich nachschaute, sah ich eine blutende Wunde. Ich kam dann ins Spital, und beim Röntgen entdeckte man eine Kugel.
Wie fielen die Reaktionen der Leute aus?
Bauer: Jene Frau, die mich röntgte, glaubte zunächst nicht, dass ich im Strandbad angeschossen worden war. Es gab zunächst Verdächtigungen, dass ich mit Kollegen mit einer Waffe gespielt hätte.
Verantwortlich für Ihre Verletzung war ein Bauer, der in Rorschacherberg mit einem Flobertgewehr Vögel von seinen Bäumen vertreiben wollte. Die Kugel flog mehrere hundert Meter weit und traf schliesslich Sie. Wie wurde der Mann identifiziert?
Bauer: Jemand hatte auf den Zeitungsaufruf hin gemeldet, dass der entsprechende Landwirt Stare von seinen Kirschbäumen hatte verscheuchen wollen. Aufgrund des Projektils war klar, dass der Schuss aus der Waffe des Bauern stammte.
Hat sich der Mann bei Ihnen entschuldigt?
Bauer: Nein, er hat die Sache abgestritten.
Ihr Vater hat rechtliche Schritte gegen den Landwirt eingeleitet…
Bauer: Ja. Als sich aber zeigte, dass es sich um einen Eigenbrötler handelte, der durch eine Verurteilung in finanzielle Nöte geraten wäre, zog mein Vater die Anzeige zurück. Mir war ja nichts Schlimmes passiert.
Halten Sie es für möglich, dass auch in St. Margrethen ein Flobertgewehr im Spiel war?
Bauer: Ja, das kann ich mir gut vorstellen, zumal wieder Kirschensaison ist.
Interview: Daniel Walt