Kinder sind ihr Leben

Barbara Zollikofer ist «ein spätes Mami»: Mit 36 Jahren wurde sie das erste Mal Mutter. «Ich bereue nichts, denn davor konnte ich mich richtig austoben», sagt die heute 42jährige. Die Tübacherin ist halb Italienerin, halb Schweizerin. Ihr Markenzeichen: Rote Locken und eine Zahnlücke à la Madonna. Was Barbara Zollikofer heute an Ruhe gewonnen hat, machen ihre drei Kinder wett: Das älteste, der sechsjährige Jeannot, besucht die erste Klasse. Sein kleiner Bruder Thierry, vierjährig, und seine zweijährige Schwester Estelle geniessen die freie Zeit mit ihrer Mutter, so lange sie noch können.
Den richtigen Draht gefunden
Seit Anfang Jahr ist Barbara Zollikofer die neue Vermittlerin für Tagesfamilien in Tübach. Auf die Idee gebracht habe sie Lidia Bollhalder, die Geschäftsstellenleiterin der regionalen Vermittlungsstelle für Tagesfamilien (siehe Kasten). «Sie suchte jemanden, der den Draht zu den jungen Müttern in Tübach hat», sagt Barbara Zollikofer.
Den richtigen Draht haben, auf Menschen zugehen – das fällt der gebürtigen Gossauerin leicht. So organisiert sie bereits jetzt als Vorstandsmitglied der Elterngruppe Tübach «alles, was mit Kindern zu tun hat». Dazu gehören die Kinderfasnacht oder der Räbeliechtli-Umzug. Ausserdem hat Barbara Zollikofer den Spatzenhöck zu neuem Leben erweckt. Die Krabbelgruppe biete nicht nur Kindern die Gelegenheit, sich kennenzulernen, sondern sei auch eine Austauschplattform für die Mütter. «Besonders Neuzugezogene oder Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden, sind froh um den Spatzenhöck.»
Gekommen, um zu bleiben
Ihrem Engagement in der Elterngruppe verdankt Barbara Zollikofer «viele tolle Freundschaften». Dieses Netzwerk komme ihr nun bei ihrer Arbeit als Vermittlerin zugute. Denn es seien vor allem Frauen mit kleinen Kindern, die einen Pflegeplatz anböten. «Dank der Elterngruppe kenne ich die meisten bereits.»
Barbara Zollikofer hat den Überblick über Tübach – auch in dem Haus, das sie und ihr Mann seit über zehn Jahren bewohnen. Wer im Garten der Familie Zollikofer steht, blickt links auf den Bodensee, rechts auf die Eggersrieter Höhe. «Hier gehen wir nicht mehr weg», sagt die Vermittlerin zufrieden. Doch nicht nur das Haus hält sie in der Gemeinde: «Tübach ist eine heile Welt.» Auch davon profitiere sie als Vermittlerin. «Die Familien kennen sich, helfen sich gerne aus.» Vieles würden die Mütter unter sich abmachen, die offizielle Vermittlungsstelle brauche es selten. Ihr stünden in Tübach fünf Plätze zur Verfügung. Zurzeit gehen drei Kinder zu einer Tagesmutter.
Barbara Zollikofer ist froh, dass es so unkompliziert läuft: «Nicht alle haben es so einfach.» In Rorschach beispielsweise sei die Vermittlungsarbeit mit sehr viel mehr Aufwand verbunden. Die Unterschiede in puncto Erziehung oder Bildung seien grösser, eine passende Pflegemutter zu finden oftmals schwierig.
Künftig mehr Vermittlungen
Barbara Zollikofer spricht aus Erfahrung: Seit sie vor zwei Jahren die Ausbildung zur Spielgruppenleiterin abgeschlossen hat, arbeitet sie einen Tag pro Woche in der Spielgruppe Seestern in Rorschach, in der sich Kinder verschiedenster Nationalitäten treffen. «Diese Multikulturalität ist herausfordernd, aber auch spannend.»
Barbara Zollikofer ist bemüht, für jedes Kind die passende Familie zu finden. Um auf dem Laufenden zu bleiben, führt sie regelmässige Gespräche mit den Tagesmüttern. Und einmal im Monat trifft sie sich mit den Vermittlerinnen aus den anderen Gemeinden, «um Neuigkeiten zu erfahren und Sorgen auszutauschen». Sorgen plagen Barbara Zollikofer zurzeit keine. Sie glaubt aber, dass der Vermittlungsaufwand künftig stark zunehmen wird: «Tübach wächst sehr schnell.»