Keine Parteien, aber Kandidaten

Am 23. September werden die Behörden in den Gemeinden gewählt. Im Wahlkreis Rorschach sind die Kandidierenden in allen Gemeinden nominiert. In den meisten von Ortsparteien. Ausser in Untereggen und Tübach. Denn in diesen beiden Gemeinden gibt es keine Parteien. In Tübach würden sich Interessierte selber melden, sagt der dortige Gemeindepräsident Michael Götte und betont: Er oder andere Mitglieder des Gemeinderates gingen nicht aktiv auf mögliche Kandidaten zu. Anders in Untereggen. Dort sprechen der Gemeindepräsident Roger Böni oder Mitglieder des Gemeinderates mögliche Kandidaten direkt an.
Gemeinderat sucht
Amtierende Gemeinderäte oder der Gemeindepräsident, die neue Behördenmitglieder suchen? Da kann der Eindruck entstehen, dass die Amtierenden nur ihnen genehme Personen ansprechen. «Ja, das stimmt», sagt der Unteregger Gemeindepräsident Roger Böni und fügt an: In Untereggen sei das aber nicht der Fall. Böni erklärt das Vorgehen bei der Suche nach Kandidaten: Werde ein Rücktritt bekannt, überlegten sich die Gemeinderäte, wer geeignet und auch gewillt sei, im Gemeinderat mitzuarbeiten. Diese würden dann von ihm oder einem Mitglied des Gemeinderates kontaktiert. Personen, die sich aus eigener Initiative für ein Amt zur Verfügung stellten, gebe es selten. Die Ausnahme bestätigte in diesem Jahr die Regel. Ein Unteregger hat kurz vor Eingabeschluss der Gemeinderatskanzlei seine Kandidatur bekanntgegeben.
Wahlkommission aufgelöst
Auf der Homepage der Gemeinde Untereggen ist unter anderem nachzulesen, dass «in der Regel die Behördenvertreter von einer Wahlkommission nominiert werden». Was ist aus dieser Wahlkommission geworden? Diese sei, als es um die Wahl des Gemeindepräsidenten gegangen sei, aktiv gewesen. Danach nicht mehr, sagt Böni. Und erwähnt auch die früher vom Gemeinderat einberufenen öffentlichen Wählerversammlungen. Während dieser Versammlungen seien jeweils die Ämter vorgestellt worden. Danach habe der Gemeinderat auf Vorschläge aus der Versammlung gewartet – in den meisten Fällen vergeblich. Darum gebe es heute auch die Wählerversammlungen nicht mehr, sagt Roger Böni, der Mitglied der CVP Goldach ist.
Ansprechpersonen fehlen
Auch der Tübacher Gemeindepräsident Michael Götte geniesst «Gastrecht» in einer Partei einer Nachbargemeinde, der SVP Steinach. Denn auch in Tübach gibt es keine Ortsparteien, wenn man einmal von der CVP absieht, die auf der Homepage der Kantonalpartei noch aufgeführt ist. Als Präsidentin wird Christa Graf genannt. Sie sagt: «Die CVP Tübach ist seit etwa zehn Jahren nicht mehr aktiv.»
In Tübach gab es einmal eine Zeit, da war die CVP noch aktiv und da gab es auch noch eine FDP. Michael Götte, der von 1995 bis 1998 auf der Tübacher Verwaltung die Lehre absolvierte, kann sich noch daran erinnern. Dass es heute keine Parteien mehr gibt, sei für ihn tolerierbar, sagt Michael Götte. Aber: «Vor allem vor Wahlen und bei grösseren Projekten könnte es von Vorteil sein, gäbe es Parteien.» Dann hätte der Gemeinderat Ansprechpersonen und könnten die Parteien Kandidierende suchen. Trotzdem: «In einer aktiven Gemeinde mit aktiven Leuten brauche es nicht unbedingt Parteien.» So sind denn in Tübach seit 2005 alle Behördenmitglieder parteilos.
Grosses Glück
Auf vergangene Ersatzwahlen zurückblickend, sagt Michael Götte: «Bis heute hatten wir grosses Glück. Es gab immer Personen, die sich selber als Kandidaten meldeten.» Er selber gehe nicht aktiv auf Personen zu. Auch die Mitglieder des Gemeinderates täten dies nicht. Sie hätten aber schon Vereine, das Gewerbe und im Dorf bekannte Personen entsprechend informiert. Und: «Wenn Kandidierende auf mich zukommen, dann spreche ich selbstverständlich mit ihnen und gebe ihnen die gewünschten Auskünfte.»