Kanonenputzer statt Kies

Kiesgruben sehen aus wie Mondlandschaften. Ist das Kies aber abgebaut, müssen die Gebiete wieder renaturiert werden. So auch im Gebiet Waldegg, im Grenzgebiet Goldach, Tübach und Mörschwil gelegen. Hier baut die Gerschwiler AG seit neun Jahren Kies ab. Noch gibt es im Teilgebiet 1 Material für etwa ein Jahr. Danach wird wohl kaum mehr etwas an den Kiesabbau erinnern. Bereits heute ist ein beträchtlicher Teil des 60 000 Quadratmeter grossen Areals renaturiert. Für Matthias Züst, Mitinhaber und Geschäftsführer der Gerschwiler AG, eine Selbstverständlichkeit. Denn: «Wir nehmen der Natur etwas, und wir wollen ihr wieder etwas zurückgeben.»
Es grünt und blüht
Dieses Etwas grünt und blüht am Rande der Kiesgrube. Ein Biotop hat hier die Gerschwiler AG in Zusammenarbeit mit einem Biologen geschaffen. Und die Kosten von etwa 70 000 Franken selbst bezahlt. Aber auch der Grundeigentümer hat einen Obolus geleistet. Züst anerkennt: «Es ist nicht selbstverständlich, dass der Besitzer zugunsten eines Biotops auf 740 Quadratmeter Land verzichtet.» Auf diesem Land gedeihen nun Kanonenputzer, Schilfgräser, Sträucher, Wildblumen. Im und am Teich, über dessen Wasserfläche schillernde Libellen schweben, finden Wassertiere einen neuen Lebensraum. Auch Reiher hätten das Biotop bereits für sich entdeckt, freut sich Züst.
Das Biotop ist das eine. Die Wiesenfläche das andere. Denn die Kiesgrube wurde auf einer Fruchtfolgefläche erstellt. Das Land muss also wieder als Fruchtfolgefläche renaturiert werden. Und das ist nach Aussage von Züst keine simple Angelegenheit. Er erklärt: Zuerst werde die Grube mit sauberem Aushubmaterial gefüllt. Darauf komme ein Meter so- genannte Muttererde. «Eine spezielle, wasserdurchlässige Erde», sagt Züst. Auf die Muttererde kommen dann noch 20 bis 30 Zentimeter Humus. Erst dann kann wieder angesät, können Bäume und Hecken gepflanzt werden. Matthias Züst ist überzeugt: «In zwei Jahren wird jeder, der hier vorbeispaziert, nicht mehr merken, dass hier einst Kies abgebaut wurde.»
«Eine Wundertüte»
In zwei Jahren: Dann wird Kies auf dem benachbarten Grundstück abgebaut, in der Waldegg Teil 2. Ein entsprechendes Gesuch sei formuliert, sagt Züst. Besagtes Areal ist 40 000 Quadratmeter gross. Züst rechnet mit einer Ausbeute von etwa 250 000 Kubikmeter Kies. Aber: «Wir wissen nie genau, wo es wie viel Kies gibt. Das ist wie eine Wundertüte.»
Im Gebiet Waldegg Teil 1 wurden bis dato etwa 310 000 Kubikmeter Material entnommen. Das entspricht etwa 20 600 Lastwagen. Lastwagen, die in der Region gefördertes Kies auf Baustellen in der Region transportieren. «Es wäre billiger, Kies zu importieren, als es hier abzubauen», sagt Matthias Züst. Für ihn ist aber der Umweltschutzgedanken wichtig. Denn für den Transport von in der Region abgebautem Kies fallen weniger Fahrkilometer an. Zudem könnten die beim Kiesabbau entstehenden Gruben mit Aushubmaterial aus der Region gefüllt werden. Das wiederum sei billiger, als das Material in die Deponie Tüfentobel zu bringen.