Junger Anwalt des Waldes

«Schneller geht es nicht», sagt Benjamin Gautschi. Der 22jährige «jüngste, aber grösste Förster im Kanton St. Gallen» spielt dabei auf seine Ausbildungen erst zum Forstwart, dann zum Förster an, die er in Rekordzeit absolviert hat (siehe Kasten) – und auf seine Körpergrösse von über 1,90 Meter. Mitte November folgt der nächste Meilenstein in der noch jungen Karriere des in Berg wohnhaften Berufsmannes: der Stellenantritt als neuer Revierförster des Forstreviers Sitter. Der Waldrat der Waldregion 1 St. Gallen hat ihn kürzlich in dieses Amt gewählt. Gautschi übernimmt den Posten von Renaldo Vanzo, der innerhalb der Waldregion ins Forstrevier Wil wechselt; Vanzo ist ab Dezember Betriebsleiter der Ortsgemeinde Wil respektive Revierförster des Forstreviers Wil. Während einer Übergangsfrist, die bereits läuft, arbeitet er seinen Nachfolger in sein bisheriges Revier Sitter ein.
Das meiste ist Privatwald
In wenigen Wochen ist Gautschi zuständig für das Forstrevier Sitter mit seinen 745 Hektaren Wald, die sich auf Gebiet der Gemeinden Wittenbach, Häggenschwil, Muolen, Berg SG, Eggersriet, Mörschwil, Steinach und Tübach befinden. Diese Waldfläche gehört insgesamt 705 Waldeigentümern. Mit einem Anteil an privaten Waldbesitzern von 92 Prozent unterscheidet sich das Forstrevier Sitter beispielsweise markant vom Revier Rorschach. Privatwald, erklärt Benjamin Gautschi, bezeichne generell Waldparzellen, die keinen öffentlich-rechtlichen Körperschaften gehörten. Ab einer Fläche von 50 Hektaren spricht der Förster von «grösseren Waldeigentümern». Unabhängig von der Parzellengrösse: Gautschi strebt eine gute Zusammenarbeit mit sämtlichen Waldbesitzern seines Reviers an. Er ist zuversichtlich, das auch problemlos zu meistern: «Ich organisiere gerne, und ich liebe den Umgang mit anderen Menschen, natürlich auch mit den Waldeigentümern.» Diese Geselligkeit nimmt ihm jeder ab, der in sein fröhliches Gesicht mit den lebhaften Augen blickt. Die Freizeitaktivitäten des «ausgesprochenen Vereinsmenschen», beispielsweise als Aktiv- und Vorstandsmitglied der Knabenmusik St. Gallen, unterstreichen diese Aussage.
Am liebsten im Wald
Für seine administrativen Arbeiten, welche laut dem 22-Jährigen «rund 50 Prozent meines Jobs» ausmachen werden, steht ihm ein Büro im Forstwerkhof Witen in Goldach zur Verfügung. Am liebsten allerdings ist er im Wald: «Das war bei mir schon als Bub so.» Zudem arbeite er gerne körperlich. Seine Hauptaufgabe als Revierförster Sitter umschreibt Gautschi so: «Ich bin der organisatorische Leiter des Reviers.» Dazu gehörten die Pflege des Schutzwaldes ebenso wie die Nutzung des Wirtschaftswaldes oder die Beratung der Waldbesitzer punkto Waldnutzung und die Verwertung des Holznutzens, sprich die Vermarktung der Baumstämme an Sägereien oder Holzhändler. Der Förster hat dabei ein klares Ziel vor Augen: «Ich möchte möglichst alles Holz aus meinem Revier regional vermarkten.»
Eine Vermittlerfunktion
Nebst Schutz- und Wirtschaftswald gibt es eine dritte wichtige Waldfunktion, die mit Biodiversität und Naturschutz charakterisiert werden kann. Hier wartet eine weitere grosse Aufgabe auf den Förster. Die mannigfachen Ansprüche, die Jogger und Biker, Jäger und Pilzsammler, Sonntagsausflügler und Ruhesuchende an «ihren» Wald stellen. Gautschi ist sich bewusst, dass dies «eine grosse Herausforderung ist» und zu Konflikten führen kann. Hier sieht er seine Funktion als eine Art Anwalt des Waldes, als Vermittler: «Es gilt, einen Mittelweg zu finden, um alle Bedürfnisse zu befriedigen.»