Jung, erfahren und ehrgeizig

Sein Wahlkampfslogan tönt selbstbewusst: «Die junge Kraft für den Kanton St.Gallen» hat sich Michael Götte auf die Fahne geschrieben. Dass «jung» gerne mit «unerfahren» assoziiert wird, weiss der Regierungsratskandidat natürlich. Doch gegen diesen Verdacht hat er eine geballte Ladung Argumente. Seit neun Jahren sitzt der 32-Jährige für die SVP im Kantonsrat, seit 2006 ist er zudem Gemeindepräsident in Tübach und seit 2009 SVP-Fraktionspräsident. Und dann hat er im zarten politischen Alter von 20 Jahren auch noch die SVP-Ortspartei in Steinach gegründet.

Michael Götte ist einer, der die Politik quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat. Im Restaurant der Eltern habe sich das lokale Gewerbe getroffen, erzählt er. «Und da wurde natürlich auch über Kommunalpolitik gesprochen.» Wie er 1992, gerade einmal 13jährig, vor einem EWR-Abstimmungsplakat stand und mit einem Kollegen die Beitrittsfrage diskutierte, daran erinnert er sich noch heute. Welche Position er damals bezogen hat, weiss er nicht mehr. Umso klarer ist diese heute: Nein zum EU-Beitritt und Ja zu den Bilateralen. Dass ein Teil der SVP die zweite Frage anders beantworte, liege wohl an deren Hintergrund, vermutet Götte. «Als Mann der Wirtschaft kann ich aber nicht behaupten, die Personenfreizügigkeit sei völlig abwegig.»

Sparen statt mehr Steuern
Als «Mann der Wirtschaft» will Götte auch in die St.Galler Regierung einziehen. Vorzuweisen hat er neben seiner Erfahrung als Projektmanager in der Privatwirtschaft seit kurzem einen Executive-MBA und eine in diesem Zusammenhang geschriebene Masterarbeit mit dem Titel «Unterschiede im Management öffentlicher Verwaltungen und privater Institutionen». Überzeugt davon, dass ein kantonales Departement wie ein der harten Konkurrenz ausgesetztes Unternehmen geführt werden muss, war er allerdings schon vorher. Als der Kantonsrat im Dezember eine Steuerfusserhöhung guthiess, stimmte der Tübacher dagegen. «Klar, der Kanton darf sich nicht zu Tode sparen», sagt er. An diesem Punkt sei man aber noch lange nicht. Auf die im Rahmen der Sparmassnahmen beschlossene Kürzung von Ergänzungsleistungen für Heimbewohner angesprochen, wählt er seine Worte bedächtig. Einem Armen etwas wegzunehmen, schmerze ihn, sagt er schliesslich. «Die Frage ist <was tut wem wie stark weh> – und da muss man gescheite Lösungen finden.»

Baupläne in Tübach
Dass Götte gegen Steuererhöhungen nicht immun ist, hat er in seinem zweiten Jahr als Gemeindepräsident von Tübach bewiesen. Die finanzielle Situation habe ihm damals keine andere Wahl gelassen, erinnert er sich. Unterdessen sei der Gemeindesteuerfuss aber um das Doppelte der damaligen Erhöhung gesenkt worden, sagt Götte. «Tübach wird dieses Jahr vielleicht die steuergünstigste Gemeinde des Kantons.» Das trifft sich gut, denn die Familie Götte plant, in Tübach ein Haus zu bauen. Als «familiär, naturliebend und sportlich» beschreibt sich der Familienvater auf seinem Wahlflyer. Das töne vielleicht klischeehaft, weiss der Kandidat. «Aber so bin ich.» Ganz dem traditionellen SVP-Familienbild entspricht seine Ehe allerdings nicht. Ein bis zwei Tage die Woche verbringt der bald einjährige Sohn in einer Kinderkrippe – «in meinem Fall ist diese aber nicht staatlich finanziert», betont der Vater.

Ein Exekutivpolitiker
Göttes politische Ambitionen lassen derzeit wenig Raum für anderes. Und ambitioniert ist der SVP-Politiker, keine Frage. Wenn er auf seinen bisherigen Weg zurückschaue, dann sei es konsequent, «jetzt den grossen Schritt zu machen». Als Gemeindepräsident im finanziell gutgestellten Tübach zu bleiben und den Kampf gegen das Loch in der Kantonskasse anderen zu überlassen, ist für ihn keine Option. «Es treibt mich vorwärts», sagt der Politiker – vorwärts vor allem in höhere Ämter. Ausschliessen will er auch eine künftige Kandidatur für das Bundesparlament nicht, «aber eigentlich sehe ich mich als Exekutivpolitiker». Wenn also nach Bern, dann gleich in den Bundesrat? An diese Frage verschwendet Götte derzeit überhaupt keinen Gedanken – seine Konzentration gilt ganz dem kommenden März. Feiern kann er dann übrigens unabhängig davon, ob er gewählt wird oder nicht, denn auch der erste Geburtstag des Sohnes steht vor der Tür.