Je schlimmer, desto besser

Maskiert und unmaskiert erscheinen die zahlreichen Gäste am Samstagabend in der Mehrzweckhalle Tübach. Um 22 Uhr bildet sich bereits eine Schlange an der Garderobe. Hier anwesend zu sein ist keine Frage des Alters. Die Bad-Taste-Party, die Party der Geschmacklosigkeiten, die von der Rorschacher Guggenmusig Gassärassler jeweils organisiert wird, läuft auf Hochtouren. Die Föhngugger aus Appenzell sind auf der Bühne. Gruppenweise plaziert man sich um die Stehtische und geniesst das bunte Treiben.
Wer ein intensiveres Guggenerlebnis sucht, findet rund um die Bühne einen Platz, da geht es mit Händeklatschen, Schunkeln und einer gelegentlichen Polonaise ab. Und für all jene, die eine Verschnaufpause benötigen, bietet sich in der Kaffeestube Platz und Gelegenheit für ein Ohr voll ruhigerer Musik. In der Halle sorgen insgesamt sechs Guggen für die richtige Stimmung und Tonlage.
Und alle sind gut drauf
Für den Steinacher Damian Schmid ist es ein sich jedes Jahr wiederholende Erlebnis. Er lässt keine Bad-Taste-Party in Tübach aus. So ist denn sein Urteil über den Anlass klar: «Hier sind die geilsten Leute!» Für ihn der Besuch ein Muss. «Alle, die hier anwesend sind, sind gut drauf», findet er. Und ein Ende der Party in der heutigen Nacht sieht er nicht: «Solange es zu trinken gibt, bin ich dabei.»
Es ist also das Fest der Feste, wenn es nach der Aussage des Steinacher Fasnächtlers geht. Das Urteil von Peter Stübi, dem Präsidenten der Gassärassler, fällt gleich aus. Er und seine Gugger sind Jahr für Jahr mit Überzeugung und viel Einsatz dabei. Doch der Präsident sieht am Horizont bezüglich dieser Veranstaltung dunkle Wolken aufziehen.
Es droht ein Nachwuchsproblem
Peter Stübi, grundsätzlich eher optimistisch veranlagt, kommt ins Grübeln, wenn über die Zukunft der Guggen und der Bad-Taste-Party nachgefragt wird. «Die Bereitschaft aller Beteiligten, solche Anlässe zu organisieren, wird nicht grösser», sagt er und erklärt damit den Grund, dass dieses Jahr auf einen zweiten Guggenabend in der Mehrzweckhalle verzichtet wurde.
Und den Guggen könnte schon bald ein Nachwuchsproblem erwachsen, ergänzt er. Letzteres Problem ist sogar von den Föhnguggern aus Appenzell zu hören, einer Fasnachtshochburg.
Fehlende Fasnachtstradition
Für Stübi ist es ein Problem, dass in der Region am Bodensee keine fasnächtliche Tradition vorhanden ist. Um die Gäste an diesem Abend «bei der Stange zu halten», sei es aber auch wichtig, sich den Gegebenheiten anzupassen. Und so lässt es sich auch nicht beurteilen, wie die weiteren Veranstaltungen der Gassärassler vonstatten gehen.
«Wir müssen von Fall zu Fall schauen, die Fixkosten müssen auf jeden Fall gedeckt sein», betont er. «Und wir müssen Spass an der Durchführung des Anlasses haben. Denn der Spassfaktor wird bei uns immer gross geschrieben.»