«Ich wäre gerne Hausabwart»

«Ich bin zu diesem Schloss gekommen wie die Jungfrau zum Kind», sagt Schlossherr Harald Lucian. Der 61-Jährige sitzt vor dem Haus und blättert in einem dicken Ordner mit Dokumenten und Plänen. Begeistert erzählt er von seinen aktuellen Projekten und erinnert sich an die Schwierigkeiten mit den Behörden: Fünf Jahre lang hat er dafür gekämpft, dass sein Garten unter Denkmalschutz gestellt wird.
Schloss mit Telefon
Mit 34 fuhr der gebürtige Arboner Autorennen und war ständig unterwegs. Dann kaufte Lucian – ziemlich spontan – das Schloss Neubrunn und wechselte von den schnellen Autos zu Spaten und Hacke. Er habe damals nicht nach einem Haus gesucht, sagt er. Aber er hätte diese einmalige Möglichkeit einfach nutzen müssen. Und die Entscheidung war goldrichtig: Auch 27 Jahre später arbeitet Lucian begeistert im Garten und baut Treppen und Wege.
Er blättert in seinem Ordner und liest einen Eintrag über das Schloss Neubrunn aus dem geographischen Lexikon der Schweiz von 1905: «Sogar das Telefon ist erwähnt», sagt Lucian und lacht. Vor gut hundert Jahren sei das noch etwas Besonderes gewesen. Solche Dokumente, faszinieren den Antiquitätenhändler – genauso wie das gesamte Anwesen: Das grosse Haus wurde schon 1680 gebaut und Lucian passt die Gestaltung des Gartens ganz dem Stil dieser Zeit an. Für einen neue Treppe verwendet er die alten Stufen und freut sich, wenn neue Steine Moos ansetzten und wirken, als wären sie 200 Jahre alt. «Es soll sein, als wären sie schon immer hier», sagt er, der nicht nur mit Antiquitäten handelt, sondern diese auch gerne sammelt, wie zum Beispiel die antiken Skulpturen vor dem Haus.
Eins nach dem anderen
Der riesige Garten ist die Mission von Harald Lucian und ein richtiges Liebhaberobjekt. Alles, was irgendwie möglich ist, macht er selbst und arbeitet dabei ganz nach der Devise «Eins nach dem anderen». Irgendwann soll es einen Weg um das ganze Grundstück geben. Zuerst möchte Lucian aber die Wiese vor dem Haus gestalten: Zwei antike Tore sind bereits aufgestellt, wirken im Moment aber noch etwas verloren.
Wenn er etwas mache, dann richtig, sagt der Antiquitätenhändler und was er restauriere, solle bis in die Ewigkeit halten: «In den Waldteich habe ich bestimmt Tausend Arbeitsstunden investiert und das ist nicht übertrieben», sagt Lucian und deutet auf den kleinen Teich. «Das war ein einziges Schlammloch, als ich eingezogen bin.» Und eines Nachts sei eine Wand des Wasch-Häuschens eingestürzt, das habe er dann halt auch reparieren müssen. «Mein Traumjob wäre es, hier Hausabwart zu sein», sagt er. Aus finanziellen Gründen sei das aber nicht möglich, denn das Anwesen verschlingt viel Geld. Und nicht nur das, sondern auch fast seine gesamte Freizeit: «Beim Gärtnern kann ich abschalten», sagt er. Wenn er sich aber doch einmal von der Arbeit erholen möchte, reist er nicht etwa an einen schönen Strand, sondern setzt sich an seinen Weiher und raucht gemütlich eine Zigarre.

Am Sonntag, 14. August, begrüsst Harald Lucian Garten-Interessierte auf seinem Grundstück. Besichtigung von 10 bis 17 Uhr an der Ruhebergstrasse in Tübach.