«Ich bin nicht zu jung für das Amt»

Der Tübacher Gemeindepräsident Michael Götte stellt sich am 30. Wie ist der Entscheid gewachsen, ins Rennen um einen Regierungsratssitz einzusteigen?
Michael Götte: Nach zwölf Jahren Tätigkeit in der Privatwirtschaft, zehn Jahren in der Politik, davon neun Jahre als Kantonsrat, drei als Fraktionspräsident und sechs als Gemeindepräsident fühle ich mich bereit für dieses Amt. Zudem konnte ich vor wenigen Tagen die Weiterbildung zum Exekutiv-Master an der Fachhochschule St. Gallen abschliessen
Sie tragen den Gedanken also schon länger mit sich herum?
Götte: Ich wurde bereits vor vier Jahren von meiner Partei als Kandidat angefragt. Damals habe ich abgesagt, weil ich mich noch zu jung fühlte. Ich war damals erst zwei Jahre Gemeindepräsident und hatte auch beruflich noch einige Aufgaben, auch bezüglich Weiterbildung, zu bewältigen.
Sie seien auch mit nun 32 Jahren noch zu jung für dieses wichtige Amt, ist ab und an zu hören, was sagen Sie dazu?
Götte: Viele wissen nicht, dass ich bereits im Alter von 20 Jahren in die Politik eingestiegen bin. Ruth Metzler ist beispielsweise mit 34 Jahren in den Bundesrat gewählt worden. Damals hat man auch von einer zu jungen Frau gesprochen, sie hat ihren Job aber gut gemacht. Ausserdem wurden schweizweit schon andere Politiker in meinem Alter in den Regierungsrat gewählt. Es gibt also genügend Beispiele, dass man mit 32 Jahren diese Verantwortung kompetent wahrnehmen kann. Ich fühle mich jedenfalls in allen Bereichen bereit dafür.
Wie Sie sagen, sind Sie in vielen Bereichen engagiert. Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?
Götte: Bis jetzt bringe ich kommunale und kantonale Politik mit privatwirtschaftlichen und militärischen Aufgaben gut unter einen Hut. Längerfristig ist dies aber nicht möglich; ich muss und möchte mich auf eine Schiene konzentrieren.
Wie steht denn Ihr Arbeitgeber zu Ihren politischen Ambitionen? Bei einer Wahl, vorausgesetzt die SVP-Delegierten nominieren Sie als Kandidaten, könnten Sie Ihre Arbeit in der Privatwirtschaft ja nicht mehr ausüben; andererseits können Sie auch nicht zwingend von einer Wahl ausgehen.
Götte: Ich habe die Situation mit meinem Arbeitgeber besprochen. Dieser lässt mir ja bereits jetzt viel Freiraum, damit ich meinen politischen Aufgaben nachgehen kann. Auch wenn ich nicht in den Regierungsrat gewählt werde, eine Standortbestimmung muss ich auf jeden Fall vornehmen. Es wird darauf hinauslaufen, dass ich mich für einen Bereich entscheiden muss.
Sie sind als Gemeindepräsident und in der Firma in Teilzeit tätig. Egal ob Sie die Wahl in den Regierungsrat nun schaffen oder nicht; Tübach braucht also einen neuen Gemeindepräsidenten.
Götte: Sollte sich das St. Galler Stimmvolk am 11. März nicht für mich entscheiden, dann bin ich gerne bereit, Tübach weiterhin zu neuen Zielhäfen zu führen. Ich fühle mich hier sehr wohl und erfülle meine Aufgaben mit grosser Freude. Ausserdem bin ich den Bürgern sehr dankbar, dass sie mich mit 25 Jahren zu ihrem Gemeindepräsidenten gewählt haben und ich so die Chance erhalten habe, mich zu beweisen. Um die politische Laufbahn fortsetzen zu können und in einem vollen Pensum tätig zu sein, müsste ich mich mittelfristig aber um die Führung einer grösseren Gemeinde oder Stadt bewerben. Oder aber vollumfänglich in die Privatwirtschaft wechseln.
Wie ordnen Sie sich selber denn politisch ein?
Götte: Aufgrund meiner Tätigkeit bin ich sicher ein Mann aus der Wirtschaft. Als Fraktionschef der SVP bin ich allerdings sehr breit aufgestellt, es gibt keinen Bereich, der mich nicht interessiert.
Sind Sie ein Mann des Volkes, sind Sie für alle wählbar?
Götte: Ich habe meine klare Grundhaltung. Dass ich aber über Parteigrenzen hinaus politisiere und Lösungen suche, beweise ich als Gemeindepräsident, als Fraktionschef und auch bei meiner Tätigkeit in der Wirtschaft. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren gezeigt, dass ich absolut kompatibel bin.
Um in den Regierungsrat gewählt zu werden, müssten Sie auch Wähler ausserhalb der Region mobilisieren. Haben Sie diesen Rückhalt?
Götte: Bei den vergangenen Kantonsratswahlen durfte ich das beste Ergebnis aller Kandidaten im Wahlkreis Rorschach erreichen. Ich denke also schon, dass ich wählbar bin. Obwohl Tübach zur Stadt St. Gallen hin ausgerichtet ist, präsidiere ich eine ländliche Gemeinde. Ich würde mich daher als polyvalent bezeichnen.
Was ist das Kernproblem, das der Kanton St. Gallen zu lösen hat?
Götte: Zweifellos die Finanzen. Dass das Eigenkapital schrumpft und die Wirtschaft nicht so läuft, wie wir das alle gerne hätten, dafür kann dem Kanton kein Vorwurf gemacht werden. Bei der Kantonsregierung ist auch eine gute Tendenz spürbar, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Aber noch nicht in der Intensität, die tatsächlich nötig ist. Es ist zweifellos eine schwierige Aufgabe, die Finanzen ins Lot zu bringen, und sie wird uns noch über Jahre beschäftigen.
Die EU ist in Rücklage geraten und muss um ihre Währung kämpfen. Wie stehen Sie zur europäischen Gemeinschaft?
Götte: Einerseits bin ich froh, dass die Schweiz weder in der EU noch bei der Währung dabei ist, zumal man nun die Schwierigkeiten sieht, die dieses grosse Konstrukt hat. Als Mitarbeiter eines Betriebes, der hauptsächlich in den Euroraum exportiert, bin ich aber auch interessiert daran, dass Staaten und Wirtschaft um uns herum funktionieren. Was den Rettungsschirm für in Schwierigkeiten geratene EU-Länder betrifft, bin ich sehr skeptisch. Ob hier nun die richtigen Entscheide gefällt werden, wird man erst in einigen Jahren sehen. Auf jeden Fall kommt eine sehr, sehr schwierige Zeit auf uns zu.
Die Probleme der EU müssen uns also alle beschäftigen. Nur froh zu sein, nicht dabei zu sein, reicht nicht.
Götte: Absolut. Meine Haltung, nicht in die EU zu gehen, hat sich zwar bestätigt. Aber viele Betriebe in unserem Grenzkanton stehen in sehr starker Abhängigkeit zur EU. Bei einem Bankrott der EU werden wir also nicht die Glocken läuten können und uns freuen, dass wir nicht dabei sind. Auch uns würde es in einem solchen Fall sehr schlecht gehen. Umso wichtiger, dass wir nun die richtigen Massnahmen treffen. Egal, ob kleiner Staatsbetrieb, Gemeinde oder Kanton, wir müssen die Haushalte im Griff haben.
Zurück zu Tübach und Ihren Ambitionen. Wie sehen Sie Ihre Chancen, am 30. November als Regierungsratskandidat der SVP nominiert zu werden?
Götte: Diese sind aufgrund meiner Arbeit, die ich seit dem Jahr 2000 innerhalb der Partei leiste, durchaus intakt. In der Politik hat man ja nie alle auf seiner Seite. Mein Engagement wird aber zum grossen Teil geschätzt und die nötige Akzeptanz ist da.
Neben dem bisherigen Stefan Kölliker will ausser Ihnen auch der Rheintaler Herbert Huser in den Regierungsrat. Geht die SVP mit einem Dreierticket ins Rennen?
Götte: Aufgrund des Ergebnisses der vergangenen Kantonsratswahlen wären für die SVP drei Sitze im siebenköpfigen Regierungsrat sicher nicht völlig vermessen. Ob die SVP zwei oder drei Kandidaten stellt, werden die Delegierten entscheiden.
Ihnen stehen aufregende und anstrengende Wochen bevor. Wie laden Sie Ihre Batterien auf?
Götte: Kraft und Unterstützung geben mir in erster Linie meine Frau und mein kleiner Sohn. Aber auch meine Arbeit und die anstehenden Aufgaben sind eine grosse Motivation.