Gülle tötet alle Bachforellen

Ein trauriges Bild. Bachforellen liegen leblos in einem weissen Kübel, anstatt im Bach zu schwimmen. «Der Bach ist tot. Totalschaden», sagt Fischereiaufseher Fredi Fehr vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen. Er sammelt am Tag nach dem Massensterben der Fische Kadaver ein – bis jetzt rund 500 tote Fische. Wie viel Fische verendet sind, sei schwer zu beziffern.
Nun steht er zusammen mit Ernst Locher, Pächter des Häftlibaches, am Rande des Gewässers in Tübach. «Fische sind mit viel Herzblut verbunden», sagt Locher. Das Fischen kann er vergessen. Notabene nicht das erste Mal.

Tote Bachforellen überall
Am Mittwoch rief ein Anwohner des Baches bei der Polizei in Arbon an: Tote Fische lägen im Hornbach. Der Häftlibach, der in Mörschwil entspringt, heisst auf Thurgauer Kantonsgebiet Hornbach. Die Polizei informierte den Pächter Locher. Dieser wanderte mit den Fischereiaufsehern beider Kantone flussaufwärts. Tote Bachforellen überall. Bis sie an die Stelle gelangten, wo der Chesselbach in den Häftlibach fliesst. «Nach diesem Zufluss Richtung Mörschwil war alles in Ordnung», sagt Locher, «aber das Wasser im Chesselbach war milchig, trüb. Und es stankt.»

«Gift für die Fische»
Der Verursacher konnte in flagranti ertappt werden: eine Geflügelfarm im Horchental. Der Betreiber wusch über einer Jauchegrube Kunststoff-Roste ab, auf denen Hühner gehalten werden. Damit die Grube nicht überlief, leitete er die Flüssigkeit mit einer Pumpe in einen Schacht. Von dort gelangte die Gülle in den Bach – und vergiftete die Forellen. Die Polizei wies mit einem Farbtest den Verlauf der Gülle im Wasser nach.

«Gülle von Geflügel ist tödliches Gift für Fische», sagt Fischereiaufseher Fehr. Die Feuerwehr sog noch am selben Tag das verschmutze Wasser ab und pumpte frisches vom Hydraten in den Bach. «Um eine höhere Verdünnung zu erreichen», weiss der Pächter Locher.

Gemäss Fehr sei der rasche Hinweis aus der Bevölkerung äusserst wertvoll gewesen. «Hätten wir es später gemerkt, wäre es unmöglich gewesen, die Todesursache der Fische festzustellen.» Eine Obduktion bei Fischen habe er in seiner 27jährigen Laufbahn noch nie erlebt.

«Es dauert dreieinhalb Jahre, bis wir wieder einen Bestand wie vor dem Massensterben haben», sagt Fredi Fehr. «Zum Glück» habe er dieses Jahr noch keine Brütlinge ausgesetzt. Vor einem Jahr setzte er 10 000 aus, im Jahr zuvor 20 000.

Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei werde nun den Schaden beziffern. Von Amtes wegen zeigt die Kantonspolizei den Verursacher an. Fehr geht davon aus, dass es für ihn dick kommt: Er müsse mit einer Busse rechnen sowie den Ertragsverlust und die Wiederbesetzung des Baches bezahlen.

Mysteriöses Fischsterben
Es ist nicht das erste Mal, dass Fische in diesen Gewässern verenden. Das letzte Mal im Jahr 2005. Und auch in den Jahren 1996 und 1997. Deshalb setzte der Fischereiaufseher bis 2002 keine Brütlinge mehr aus. Der Verursacher konnte nie dingfest gemacht werden. Bis jetzt? Ob es einen Zusammenhang mit dieser Vergiftung gebe, ist laut Kantonspolizei schwer festzustellen.