«Göttliche» Aussichten in Tübach

«Kopf leeren» und offen reden
Schon kurz nach seinem Amtsantritt traf sich Michael Götte darum mit dem Gemeinderat zu einer eineinhalbtägigen Klausurtagung. Seine Absicht: Er selber erfährt Wichtiges übers Dorf, über laufende Projekte und die Arbeit im Rat. Die Gemeinderäte ihrerseits erhalten die Gelegenheit, «ihren Kopf zu leeren».

Um mit möglichst vielen Bürgern in Kontakt zu treten, besuchte der neue Gemeindepräsident viele Vereinsversammlungen und Veranstaltungen. Die Frucht seiner Arbeit nach 100 Tagen. «Ich habe dich zwar nicht gewählt, aber jetzt finde ich es lässig, dass du unser Gemeindepräsident bist», habe er mehrmals gehört. Gegenteilige Stimmen seien zumindest nicht bis zu ihm vorgedrungen.

Tübach gehört zur Region
Nicht nur das Vertrauen der Bürger hat der 26-Jährige gewonnen, auch mit den teils düpierten Gemeindepräsidenten am See pflegt er bereits guten Kontakt. «Etwas Schönes haben Wahlen. Jetzt gehört Tübach auch wieder zur Region», sagte ein benachbarter Gemeindepräsident beim Wahlapéro.

Michael Götte ist überzeugt, dass die 1100-Seelen-Gemeinde als Einzelkämpferin nicht bestehen kann: «Wir wollen und müssen in der Region zusammenarbeiten.» Trotzdem: An bereits aufgegleisten Projekten wie etwa dem Zusammenschluss mit der Feuerwehr St. Gallen will er festhalten: «Der Zusammenschluss ist eine gute Lösung und die Feuerwehr Tübach ist zufrieden. Das ist das Wichtigste.» Seinem Vorgänger Vorwürfe zu machen, liegt Michael Götte fern. Roger Hochreutener habe zum Wohle Tübachs sehr viel gemacht. «Er war für mich seit meiner Lehrzeit auf der Gemeinde ein grosses Vorbild.»

Das Führen gewohnt
Als Höhepunkt seiner dreimonatigen Amtszeit leitete Michael Götte im März seine erste Bürgerversammlung. Dabei habe er viele kritische Blicke gespürt. Immerhin ist er mit seinen 26 Jahren der jüngste Gemeindepräsident im Kanton St. Gallen. Eine Führungsposition zu übernehmen, ist für Michael Götte aber nichts Ungewohntes. Als Assistent von Edgar Oehler war er unter anderem auch ins Projekt des neuen St. Galler Stadions, der AFG Arena, involviert. Mit seiner klaren Linie und der offenen Art konnte Götte an der Bürgerversammlung auch die Kritiker überzeugen. «Wie er die Versammlung für sein Alter geleitet hat, ist gewaltig», war von einigen Tübachern zu hören.

«Ich bin extrem zufrieden»
Ja, die kleine Gemeinde mit dem zweittiefsten Steuerfuss im Kanton lasse sich ganz gut regieren, sagt Götte: «Ich bin extrem zufrieden und habe es noch nicht eine Minute bereut.»

Seine nächste grosse Aufgabe: Ein Vorprojekt ausarbeiten zur Dorfkerngestaltung. An einer ausserordentlichen Bürgerversammlung im Oktober will er die Tübacher darüber informieren – offen, ehrlich und detailliert.