Geschichte über das Anderssein

Andi ist anders als die anderen, denn er hat blaue Haare. Für seine Mitschüler offenbar Grund genug, ihn zu verspotten. Sie machen Andi das Leben so schwer, dass er schweren Herzens in die Welt hinauszieht. Doch auch seinen Job als Wurstverkäufer ist er umgehend wieder los, weil die blauen Haare die Kundschaft abschreckt. Und selbst als Zirkusclown will man den Aussenseiter nicht haben. Er ist am Boden zerstört, bis er eines Tages in den Spiegel schaut und feststellt, dass er selbst es ganz in Ordnung findet, wie Gott ihn erschaffen hat.

Witzige Dialoge
Die Geschichte, in Anlehnung an das Kinderbuch «Der Hase mit den himmelblauen Ohren», stammt aus der Feder von Manuela Stump. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit hat sie daraus ein bezauberndes Musical kreiert, das am Donnerstagnachmittag in der Mehrzweckhalle Tübach zur Uraufführung kam. Das Premierenpublikum bestand vorwiegend aus lebhaften Kindergärtlern und Erstklässlern, die vom Geschehen auf der Bühne ganz in ihren Bann gezogen wurden. Während einer knappen Stunde sassen sie artig und aufmerksam auf ihren Stühlen und applaudierten fleissig, nicht nur am Schluss, sondern nach jeder gelungenen Szene. Solche gab es zuhauf, denn die Jungautorin hat es mit Bravour geschafft, die Geschichte trotz ihrer Tiefsinnigkeit mit witzigen Dialogen und heiterer Situationskomik zu bereichern, weshalb oft gelacht werden konnte.

Ein grosses Kompliment gebührt der Thalerin Manuela Stump auch für die gefällige Musik, live gespielt von der Band «Neuland», der auch die Komponistin angehört. Ein Stück begleitete sie selbst mit ihrem Saxophon, und beim Lied «Spiegelbild» übernahm sie die Solostimme.

Des weiteren hat die begabte Fachmaturandin auch sämtliche Lieder, Choreographien und die klarstrukturierte Dramaturgie kreiert. Es sei tatsächlich ihr erstes Musical, versicherte Manuela Stump, «aber ich bin überzeugt, das es nicht mein letztes sein wird.»

Gekonnte Schauspieler
Einen wichtigen Beitrag zum guten Gelingen haben vor allem die Tübacher Zweit- und Drittklässler geleistet, die mit ihren Lehrerinnen Claudia Mühleis, Cornelia Gerschwiler und Marianne Stadler «Em Andi sini blaue Hoor» einstudierten. Sie beeindruckten sowohl mit gekonntem Schauspiel, als auch mit einer deutlichen Aussprache, so, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer jedes Wort verstehen konnten.

Hoffen auf gute Bewertung
Die junge Autorin ist vom Engagement der Primarschülerinnen und Primarschüler so angetan, dass sie nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen Krankenschwester, sondern Lehrerin werden will. Doch als nächstes hofft Manuela Stump auf eine gute Bewertung ihrer Diplomarbeit durch ihre Lehrkräfte, die am Donnerstag zur Abendvorstellung erschienen: «Mit einer Fünf rechne ich schon.» Worauf ihre Bandkollegen konterten: «Sei nicht so bescheiden. Für diese Glanzleistung hättest Du mindestens die Note sieben verdient.»