Gabj Nehers herzlicher Humor

Donnerstagmorgen, im «Löwen» in Tübach herrscht ein buntes Kommen und Gehen der Lieferanten. Bevor ihr Mann Jacques die Regie übernimmt, muss Gabj Neher noch ein paar Dinge mit der Küchenmannschaft klären. Dann hat sie Zeit. «Der Koch ist neu, der Lehrling nach einem mehrwöchigen Austausch wieder zurück, da ist für sie noch einiges ungewohnt – und läuft noch nicht so, wie ich das gerne hätte.» Ja, wenn es um das Wohl ihrer Gäste geht, kann Gabj Neher streng sein.
Offen, direkt, tüchtig
Die Nehers sind über viele Stationen nach Tübach gekommen – zuerst auf getrennten Wegen, dann zusammen. Gabj Neher hat in Hotels angefangen, im Büro, dann aber auch vorne mitgeholfen, im Service. «Es war mir langweilig im Büro über die Essenszeit. Da hat meine Chefin in Arosa mich gefragt.» In Rorschach hat sie in der «Waldau» die Wirtefachprüfung gemacht und Zusatzausbildungen absolviert. Und ihren Mann kennengelernt.
Gabj Neher ist herzlich und humorvoll. Sie ist offen und direkt, und sie strahlt eine grosse, in 35 Jahren im Beruf erworbene Tüchtigkeit aus. Und: Sie und ihr Mann ergänzen sich gut. Sie diskutieren über Menus, wälzen gemeinsam Pläne – und sind auch dazu übergegangen, jedes zweite «Wochenende», das sie am Dienstag und Mittwoch beziehen, in der Ferienwohnung in Österreich zu verbringen. Denn die Gefahr besteht durchaus, dass einem ein solches Restaurant über den Kopf wächst.
Ein Anruf beim Stammgast
Hat Gabj Neher einen schönen Beruf? «Aber ja», sagt sie, und lacht. «Ich habe gerne Menschen. Und ich bin auch nicht gern allein. Wir haben sehr liebe Gäste, neunzig Prozent sind Stammgäste.» Sie liegen ihr sehr am Herzen. Können sie aus Altersgründen nicht mehr kommen, ruft Gabj Neher an und erkundigt sich, wie es so geht. «Natürlich wollen unsere Gäste gut essen. Aber sie schätzen es auch, dass wir beide da sind, dass sie von uns begrüsst und verabschiedet werden. Und wir zwischendurch Zeit für kurze Gespräche haben.»
Macht Gabj Neher sich Sorgen? Immerhin liegt auch das Finanzielle in ihrer Hand. «Ja, manchmal schon», sagt sie. «Mein Mann ist da anders, Gott sei Dank.» Recht hat er. Der Aufmarsch der Gäste ist zwar unberechenbarer geworden, was ihn in der Küche vor etliche Probleme stellt, weil er à la minute kocht. Aber sie kommen. Nicht nur wegen Jacques Nehers experimentierfreudiger Küche, sondern auch wegen Gabj Nehers Freundlichkeit.