Für Solidarität mit Süchtigen

Tübach. Der Mühlhof ist leicht zu finden: in Tübach zwischen Bodensee und St. Gallen, in der Nachbarschaft einiger Industriebetriebe und einer Sportanlage. Gleich nebenan fliesst die Goldach. Gute Beschilderung und ein grosser Parkplatz machen deutlich: Hier sind Besucher willkommen.

«Wir wollen uns nicht verstecken», betont Michael Götte, Stiftungsratspräsident des Therapie- und Rehabilitationszentrums.
Der Mühlhof, seit den 1930er- Jahren Hoffnungsschimmer und Rettungsanker für Alkoholkranke, möchte vom Image der gesellschaftlich ausgegrenzten «Trinkerheilanstalt» wegkommen. Abschätzigen und misstrauischen Mutmassungen über «die dort hinten im Mühlhof» treten die Verantwortlichen aktiv entgegen – etwa mit einem Informations- und Filmabend für die Öffentlichkeit (siehe Kasten).

Therapie nach dem Entzug
Der Mühlhof bietet Platz für 23 Patienten und beschäftigt 22 Mitarbeiter. Alkohol ist im Zentrum tabu. Entzüge, welche die körperliche Abhängigkeit stoppen, werden hier nicht durchgeführt. Stattdessen bereiten sich die Patienten in Therapieprogrammen auf die Rückkehr in einen normalen Alltag vor: «Hierher kommen Alkoholkranke, die den körperlichen Entzug bereits hinter sich haben und den Weg zurück in ein Leben ohne Alkohol finden wollen», sagt Urs Thalmann, der das Zentrum seit 1999 leitet.

Hilfe bei der Stellensuche
Mindestens vier Monate dauert eine Therapie. Sie betrifft alle Lebensbereiche der Suchtkranken: Sowohl die «innere Welt» der Patienten – die psychischen Schäden, die der Alkohol verursacht – als auch die «äussere» Welt, das heisst der Arbeitsplatz, die Beziehung und so weiter. Die Patienten können zum Beispiel Bewerbungskurse besuchen und sich bei der Stellensuche helfen lassen.

Zusammenarbeit mit RAV
Das Zentrum Mühlhof arbeitet ausserdem mit den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren zusammen: Beim RAV angemeldete Patienten können gleichzeitig eine integrierte Suchttherapie absolvieren. Arbeitgeber, Partner und weitere Bezugspersonen werden bei Bedarf in die Therapie mit einbezogen.

Alkoholismus ist ein Männerproblem – nicht nur, aber hauptsächlich. «In der Schweiz sind etwa 330 000 Männer alkoholabhängig – viermal so viele wie bei den Frauen. Ungefähr dieses Verhältnis zeigt sich auch bei unseren Patienten», sagt Jürgen Bastian, er ist Psychotherapeut im Zentrum Mühlhof. Viele Männer verstünden das Trinken als Teil der männlichen Identität, wollten damit Spannungen reduzieren, ihre Stimmung aufhellen – oder ihre Zunge lösen. Im Mühlhof lernen sie, auch nüchtern über ihre Probleme zu sprechen.

Motivation statt Zahlen
Die «Erfolgsquote» des Zentrums im Sinne definitiver Heilung vom Alkoholismus lässt sich nicht beziffern. Doch Zahlen zur Selbstbestätigung brauchen die Mitarbeiter nicht: «Wenn Patienten körperlich, psychisch oder physisch angeschlagen hier ankommen und den Mühlhof nach einigen Monaten als gesunde, arbeitsfähige Menschen wieder verlassen, ist dies Motivation genug», meint Jürgen Bastian.

Für Solidarität mit Süchtigen

Tübach. Der Mühlhof ist leicht zu finden: in Tübach zwischen Bodensee und St. Gallen, in der Nachbarschaft einiger Industriebetriebe und einer Sportanlage. Gleich nebenan fliesst die Goldach. Gute Beschilderung und ein grosser Parkplatz machen deutlich: Hier sind Besucher willkommen.

«Wir wollen uns nicht verstecken», betont Michael Götte, Stiftungsratspräsident des Therapie- und Rehabilitationszentrums.
Der Mühlhof, seit den 1930er- Jahren Hoffnungsschimmer und Rettungsanker für Alkoholkranke, möchte vom Image der gesellschaftlich ausgegrenzten «Trinkerheilanstalt» wegkommen. Abschätzigen und misstrauischen Mutmassungen über «die dort hinten im Mühlhof» treten die Verantwortlichen aktiv entgegen – etwa mit einem Informations- und Filmabend für die Öffentlichkeit (siehe Kasten).

Therapie nach dem Entzug
Der Mühlhof bietet Platz für 23 Patienten und beschäftigt 22 Mitarbeiter. Alkohol ist im Zentrum tabu. Entzüge, welche die körperliche Abhängigkeit stoppen, werden hier nicht durchgeführt. Stattdessen bereiten sich die Patienten in Therapieprogrammen auf die Rückkehr in einen normalen Alltag vor: «Hierher kommen Alkoholkranke, die den körperlichen Entzug bereits hinter sich haben und den Weg zurück in ein Leben ohne Alkohol finden wollen», sagt Urs Thalmann, der das Zentrum seit 1999 leitet.

Hilfe bei der Stellensuche
Mindestens vier Monate dauert eine Therapie. Sie betrifft alle Lebensbereiche der Suchtkranken: Sowohl die «innere Welt» der Patienten – die psychischen Schäden, die der Alkohol verursacht – als auch die «äussere» Welt, das heisst der Arbeitsplatz, die Beziehung und so weiter. Die Patienten können zum Beispiel Bewerbungskurse besuchen und sich bei der Stellensuche helfen lassen.

Zusammenarbeit mit RAV
Das Zentrum Mühlhof arbeitet ausserdem mit den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren zusammen: Beim RAV angemeldete Patienten können gleichzeitig eine integrierte Suchttherapie absolvieren. Arbeitgeber, Partner und weitere Bezugspersonen werden bei Bedarf in die Therapie mit einbezogen.

Alkoholismus ist ein Männerproblem – nicht nur, aber hauptsächlich. «In der Schweiz sind etwa 330 000 Männer alkoholabhängig – viermal so viele wie bei den Frauen. Ungefähr dieses Verhältnis zeigt sich auch bei unseren Patienten», sagt Jürgen Bastian, er ist Psychotherapeut im Zentrum Mühlhof. Viele Männer verstünden das Trinken als Teil der männlichen Identität, wollten damit Spannungen reduzieren, ihre Stimmung aufhellen – oder ihre Zunge lösen. Im Mühlhof lernen sie, auch nüchtern über ihre Probleme zu sprechen.

Motivation statt Zahlen
Die «Erfolgsquote» des Zentrums im Sinne definitiver Heilung vom Alkoholismus lässt sich nicht beziffern. Doch Zahlen zur Selbstbestätigung brauchen die Mitarbeiter nicht: «Wenn Patienten körperlich, psychisch oder physisch angeschlagen hier ankommen und den Mühlhof nach einigen Monaten als gesunde, arbeitsfähige Menschen wieder verlassen, ist dies Motivation genug», meint Jürgen Bastian.