Frei für neue Räume

Eindrücklich sei der Gottesdienst gewesen, «traurig-schön», lobten Gemeindeglieder beim anschliessenden gemeinsamen Mittagessen, zu welchem Kürbissuppe und ein Kuchenbuffet angeboten wurden, den letzten Gottesdienst mit Pfarrerin Doris Engel. Diese hatte nachgedacht über die alttestamentliche Geschichte vom Turmbau zu Babel. Sie deutete sie so, dass das Volk, das damals eine einzige Sprache gesprochen hatte, sich aus Angst vor der Freiheit in einem einzigen grossen Turm an einem zentralen Ort ansiedeln wollte. Doch Gottes Schöpfung sei vielfältig. Gott sei darum zur Erde hinabgestiegen, um die Menschen aus ihrer quälenden Einengung zu erlösen, ihnen Freiheit und verschiedene Möglichkeiten zu schenken.

Sinn der leeren Kammer
Im zweiten Teil ihrer packenden Ausführungen bewies Doris Engel ihre theatralischen Fähigkeiten. Sie erzählte im Dialog mit sich selbst die Geschichte vom erfolgreichen gütigen König und seiner geheimnisvollen Kammer. Der Sohn, welchem der alte König die Kammer übergeben will, braucht Zeit, bis er begreift, dass der Mensch leere Räume braucht, in welchen er zur Ruhe kommen, seinen Gedanken nachhängen und beten kann.

Gute Gedanken auf den Weg
Menschen aus dem Mitarbeiter-Team und diversen Gruppen aus der Gemeinde waren gekommen, um ihrer Pfarrerin sinnvolle Geschenke und gute Gedanken mit auf den Weg zu geben. Dabei kam zum Ausdruck, wie sehr die Arbeit der wegziehenden Pfarrerin nicht allein in Goldach, sondern auch in den Dörfern Tübach, Untereggen und Steinach geschätzt worden war. Als Präsident der Kirchenvorsteherschaft sprach Ruedi H. Egger den herzlichen Dank aus und überreichte Doris Engel einen aus Israel stammenden Türschmuck mit drei in hebräischer Sprache geschriebenen Wünschen: Ein passendes Geschenk für Doris Engel, die sich gerne an die Gottesdienste und Andachten, an ökumenische Kinderfeiern und Suppen-Zmittage erinnern wird, sich jetzt aber darauf freut, sich neuen Aufgaben zu stellen, sich in neuen Räumen frei einrichten zu können.

«Non, je ne regrette rien»
Arthur Hüberli hatte auch in diesem Gottesdienst der Orgel starke Musik entlockt. Die Kernbeissers hatten angeboten, die Feier zu verschönern. So wählte Doris Engel aus dem Repertoire von Inge und Wolf Buchinger Lieder, nachdenkliche Gedanken zum Thema Abschied, das französische Chanson «Non, je ne regrette rien» und ein der Pfarrerin und der Gemeinde Mut machendes «Ich freue mich».