Fitnessstudio für Ausgesteuerte

Region Rorschach. Kaum hat die Frau parkiert, ist Riza Cöcelli zur Stelle: Er begrüsst sie, nimmt ihr den Abfall aus dem Kofferraum und transportiert diesen ins Gebäude. Dort sortieren er und seine Kolleginnen und Kollegen der Entsorgungsfachstelle das Material sorgfältig. Die Entsorgungsfachstelle ist eine Abteilung vom Werk Bodensee, das von der Stiftung Business House (siehe Kasten) betrieben wird.
«Der Standort ist ideal»
Im Werk Bodensee haben ausgesteuerte Menschen die Chance, wieder fit für den Arbeitsmarkt zu werden. Seit Anfang dieses Jahres betreibt das Werk die offizielle Entsorgungsfachstelle der Gemeinden Goldach, Rorschacherberg, Rorschach und Tübach. Das heisst: Von Altöl über Möbelstücke bis Zierpflanzen können Einwohner und Einwohnerinnen alles an diesem einen Ort entsorgen. «Und das wird geschätzt», sagt Vittorio Zanchi, Gesamtleiter des Werks in Goldach. «Die Kunden begrüssen es, dass sie bedient werden. » Zudem seien die Öffnungszeiten attraktiv – vor allem die Verlängerung an den Donnerstagen und der Samstagmorgen kämen an, so Zanchi. Auch Daniel Herrmann, Geschäftsleitungsmitglied der Stiftung, zieht nach einem halben Jahr eine positive Bilanz: «Wir haben alle nötigen Bewilligungen, und der Standort ist ideal.»

Die Annahme von Abfall ist nur eine Abteilung im Werk Bodensee, wo neben Zanchi noch drei Bereichsleiter tätig sind. «In elf Abteilungen arbeiten bis zu 36 Personen», sagt Zanchi. Das Werk Bodensee stellt auch Textilien her: Leuchtwesten zum Beispiel. In der Medaillen-Konfektion fabrizieren Teilnehmende Medaillen. «Im letzten Jahr haben wir 48 000 Medaillen verkauft», sagt Zanchi. Kunden seien vor allem Skischulen. In dieser Woche habe sogar ein Kunde aus Bremen bei ihnen Medaillen bestellt. Eine Abteilung Schweisserei/Schlosserei gehört ebenso zum Werk wie ein Büro für Druck und Design. In der Küche und der Wäscherei arbeiten Teilnehmende zudem in hauswirtschaftlichen Tätigkeiten.

Ziel: Eine Stelle finden
Aktuell sind 31 Namen auf Vittorio Zanchis Liste. Wobei das schnell ändern kann: «Wenn jemand eine Stelle findet, darf, ja muss er sofort gehen», sagt Zanchi. Das sei das oberste Ziel, ergänzt Herrmann. Denn im Werk Bodensee gehe es primär darum, den Menschen eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Dazu gehört, dass in einer hauseigenen Schreibstube die Lebensläufe und Bewerbungsbriefe überarbeitet und in Coachings Bewerbungsgespräche geübt werden. Länger als ein Jahr bleibe niemand im Werk Bodensee. Nach dieser Frist hätten sich die ausgesteuerten Menschen wieder eine Rahmenfrist für die Arbeitslosenversicherung erarbeitet, sagt Hermann: «Oder sie haben im Idealfall eine Stelle gefunden.»

Teamfähigkeit schulen
Ein weiterer zentraler Punkt sei die Arbeit im Team, sagt Daniel Hermann. Einige Teilnehmer müssten die Teamfähigkeit zuerst wieder erlernen. «Das führt so weit», sagt Zanchi, «dass Ungereimtheiten im Team besprochen und gelöst werden.»

Cöcelli und seine Kolleginnen und Kollegen beweisen aber auch Humor und Lebenslust: Es wird viel gelacht, hier ein Witz, dort ein Spruch – die Stimmung ist spürbar gut im Werk. Dann rollt das nächste Auto an: Cöcelli und die andern sind zur Stelle.