Es bleibt bei Schrecksekunden

Voralarm für Hochwasser. Dieser geht gestern um 8.50 Uhr bei Robert Fuchs ein, Kommandant der Goldacher Feuerwehr. Der Grund: Die Goldach führt mehr als 50 Kubikmeter Wasser pro Sekunde seewärts. «Dieser erste Voralarm wird immer ausgelöst, wenn der Grenzwert überschritten wird. Das allein ist noch kein Grund zur Sorge», beruhigt Fuchs.
Pegel steigt anderthalb Meter
Die Goldach ist seit Beginn der starken Niederschläge am Montagabend stark gestiegen. Von 18 Uhr am Montag bis gestern kurz nach 9 Uhr registriert die Messstation Bleiche einen Anstieg des Pegels um 1,5 Meter. Der Abfluss erreicht gestern Vormittag 61,1 Kubikmeter pro Sekunde – beim Beinahe-Hochwasser vom Juni 2013 waren es 75,6 Kubikmeter pro Sekunde. Die heikelste Stelle an der Goldach ist die SAK-Brücke, die wenige Meter vor dem SBB-Viadukt beim Dammweg steht.
Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass der Fluss zwar immer noch einen knappen Meter unter der Brücke verläuft. Allerdings liegt ein Baumstamm quer zwischen zwei Pfeilern des SBB-Viadukts. «Wir beobachten die Situation ständig. Die grösste Gefahr ist, dass sich hinter diesem Stamm weiteres Schwemmholz aufstaut. Glücklicherweise führt der Fluss aber zurzeit wenig Holz mit», zeigt sich Robert Fuchs zuversichtlich. Er betont aber, dass plötzliche starke Regenfälle im oberen Teil des Goldachtobels die Situation rasch ändern könnten. «Je weiter das Wasser steigt, desto mehr kommt es in den Bereich des Waldrandes, wo zusätzliches Material mitgerissen werden kann.» Weil die Goldach beim Hochwasser von 2002 ihr Bett etwas verbreitert habe, seien die Brücken nun bei Abflussmengen wie den aktuellen die grössten Gefahrenpunkte.
Bachputzete zahlt sich aus
Am Abend können Fuchs und seine Leute aufatmen. Der Pegel des Flusses sinkt vom Maximalstand am Vormittag bis um 19 Uhr wieder um mehr als 80 Zentimeter. Die Niederschläge lassen allmählich nach. Eine Nachtwache am Fluss wie im Juni 2013 wird also nicht nötig. Während in Goldach die Herzen zeitweise etwas höher schlagen, können die Tübacherinnen und Tübacher die Niederschläge entspannt zur Kenntnis nehmen.
Der braun verfärbte Dorfbach führt zwar deutlich mehr Wasser als gewohnt, doch Schwemmholz oder Gestrüpp, das sich unter den Brücken verkeilen könnte, ist nicht zu sehen. Das ist kein Zufall, sondern Resultat zweier Bachpflege-Aktionen der Gemeinde. Vor zwei Jahren entfernten Freiwillige über 2,5 Tonnen Holz und Gestrüpp vom Saxholz an abwärts. «Die Aktion haben wir im Frühling wiederholt, und zwar bachaufwärts. Wir haben eine vergleichbare Menge an Material geborgen», sagt Gemeindepräsident Michael Götte. Er ist wie die Anwohner rund um den Bach froh um die getane Arbeit. Ob der Bach ohne sie hätte über die Ufer treten können, sei zwar schwierig abzuschätzen. «Dauerregen ist hier oft weniger gefährlich als ein Gewitter mit extrem starken Regenfällen. Dann kann der Bach nämlich im oberen Bereich, wo es viel Gehölz gibt, innert kürzester Zeit stark anschwellen. Dass das bisher nicht passiert ist, zeigt aber, dass sich unsere Bachpflege-Massnahmen lohnen», so Götte.
Keine Gefahr am Seeufer
Keine Massnahmen erfordert das Wetter auf dem Campingplatz Marina Rheinhof. Gestern führt der Alte Rhein zwar an der Mündung viel Wasser, Schlamm und gelegentlich Äste und Baumstämme in den See. «Der Seepegel wird sicher noch etwas ansteigen, zurzeit liegt er aber fast 70 Zentimeter unter dem Gefahrenpunkt. Wir wären aber gerüstet und würden notfalls wie im Vorjahr Sandsäcke auslegen, um die Wiese zu schützen», sagt «Rheinhof»-Mitarbeiterin Vreni Weber.
Auch in der übrigen Region geht vom See vorläufig keine Hochwassergefahr aus. Der Pegel stieg zwar in Rorschach bis zum späten gestrigen Abend in 24 Stunden um zwölf Zentimeter auf 396,45 Meter über Meer. Damit befindet sich das Wasser aber immer noch 65 Zentimeter unter der Schadensgrenze.