Eine «grüne Wiese» fürs Spital

Seit kurzem ist sie in aller Munde, «die grüne Wiese». Auf einer ebensolchen soll gemäss einer Studie der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell (IHK) ein neues Zentrumsspital gebaut werden. Wo genau, lässt die Studie offen. Die Chance, auf St. Galler Stadtboden ein entsprechendes Areal erschliessen zu können, erachten viele Politiker als gering. Anders sieht es in Richtung See aus. Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler und sein Tübacher Amtskollege Michael Götte finden die Idee eines neuen Zentrumsspitals im Raum Mörschwil-Tübach «überlegenswert».
Zonenplan und Zugshalt ändern
«Grundsätzlich wäre bei uns der Platz da», sagen Bühler und Götte. Wobei Letzterer betont, die Idee stamme übrigens von ihm und nicht vom Rorschacher Stadtpräsidenten Thomas Müller. «Er war damit einfach schneller in den Medien», sagt Götte lachend und fügt an, besagte «grüne Wiese» stünde in Tübach zur Verfügung. Konkret denkt er an das Gebiet Meggenhus oberhalb des Waldeggkreisels gegenüber der Firma Zingg Industrieabfälle. Die Wiese sei zwar erst teilweise im Richtplan als Industriegebiet vorgesehen. «Aber wenn man ein Generationenprojekt plant, kann man durchaus noch Richt- und Zonenpläne anpassen», findet Götte.
Zudem wäre der Autobahnanschluss Meggenhus nur wenige Meter entfernt, und was die Anbindung an den öffentlichen Verkehr betreffe: Der Bus fahre jetzt schon, «da müsste man einfach die Kadenz erhöhen». Und auch die Bahnlinie Rorschach–St. Gallen führe bereits durchs Gebiet. «Klar, heute hält der Zug nicht dort», räumt Götte ein. «Aber auch da liesse sich bestimmt etwas machen.» Schliesslich rede man bei diesem Grossprojekt von Investitionen in Milliardenhöhe. «Da mag es auch noch das eine oder andere leiden.»
«Ich bin ja kein Träumer»
Der SVP-Kantonsrat erwartet nicht, dass er nächstes Jahr ein Baugesuch fürs neue Spital auf dem Tisch liegen hat. «Ich bin ja kein Träumer», sagt er, der frühzeitig in die IHK-Studie involviert war. Aber er wehre sich dagegen, wenn man kategorisch sage, ein Neubau sei unmöglich. «Ich will, dass die Idee für ein neues Zentrumsspital öffentlich diskutiert wird.» Rückendeckung erhält er von bürgerlichen Stadtpolitikern. «Das Anliegen, dass mit Neubauten Betriebskosten gesenkt werden sollen, muss man ernst nehmen», sagt etwa St. Gallens Stadtpräsident Thomas Scheitlin, um sogleich anzufügen, das Kantonsspital gehöre in die Hauptstadt.
Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler hingegen findet es interessant, dass das Gebiet Mörschwil-Tübach im Gespräch ist. «Ich fände es super, wenn Mörschwil ein eigenes Spital hätte», sagt er mit leicht ironischem Unterton, um dann ernsthaft anzufügen, dass ein neues Spital Sinn machen könne, anstatt immer ums alte herumzubasteln. Auch Bühler begrüsst es, wenn die Idee Neubau vertieft diskutiert wird. «Die Realisation auf <grüner Wiese> scheint mir aber sehr visionär.» Eher realistisch wäre für ihn das Areal beim Bahnhof St. Fiden in St. Gallen. Zumal für ein Zentrumsspital «mindestens 50 000 Quadratmeter Land» benötigt würden. Und dies in einer Zeit, wo um jeden Quadratmeter gestritten werde. «Zudem müsste man ja auch Wohnungen für die Spitalangestellten bauen.» Aktuell wohnen 2200 Angestellte in der Stadt St. Gallen, 90 Prozent von ihnen gehen zu Fuss zur Arbeit.
Raumplanerischer «Hosenlupf»
Auch für Götte ist klar, dass ein neues Kantonsspital «eine wahnsinnige Geschichte» wäre. Trotzdem betont er nochmals, dass es im Raum Mörschwil-Tübach Platz gäbe. Besagte Wiese in Tübach reiche allein sicherlich nicht aus. «Aber auf Mörschwiler Boden hat es im Gebiet Meggenhus noch mehr geeignete Landstücke», sagt Götte. Bühler bestätigt dies. Eingezont seien sie allerdings nicht: «Aus raumplanerischer Sicht wäre dies ein rechter <Hosenlupf>.»