Eine Region der Kleingemeinden

Rorschach 1,8 Quadratkilometer, Tübach 2,0, Rheineck 2,2, Berg 3,7, dazu das noch etwas kleinere thurgauische Horn mit 1,7 Quadratkilometern: Das sind Zwerge. Im Kanton St. Gallen ist nur noch das Städtchen Lichtensteig ähnlich klein.

Wenig Fläche, dicht besiedelt
Auch die weiteren Gemeinden der Region Rorschach sind mit gut vier bis knapp zehn Quadratkilometern vergleichsweise klein. St. Gallen und Altstätten beispielsweise haben gegen 40, Waldkirch gut 30 oder Gossau 27. Auf dem Gebiet von Mels, der grössten St. Galler Gemeinde mit 139 Quadratkilometern, hätte Rorschach 80-mal Platz. Der ganze Wahlkreis Rorschach mit neun Gemeinden ist kleiner als eine Gemeinde wie Grabs oder Mosnang.

Bei der Einwohnerzahl zeigt sich hingegen ein anderes Bild. Lediglich in acht der gut 80 St. Galler Gemeinden leben mehr Leute als in Rorschach und in Goldach. Sogar Untereggen hat die Tausendermarke wieder überschritten, liegt damit vor sechs anderen Gemeinden im Kanton. Mit gleicher Siedlungsdichte wie Rorschach würde Mels Zürich übertreffen oder hätte St. Gallen 190 000 statt 70 000 Einwohner.

Historisch gewachsen
Die Grundsteine für die besondere Struktur der Region am See – und die ähnliche im mittleren Rheintal – sind uralt. Klima und Landschaftsform boten Vorzüge für die Besiedlung durch Vieh- und Ackerbauern. Die gute Verkehrslage brachte Handel und Gewerbe. Das trug bei, dass hier viele Siedlungen zu Dörfern wuchsen. Diese lagen zwar nahe beisammen, blieben aber über Jahrhunderte noch klar abgegrenzt.

Trotz der Kleinräumigkeit veranlassten weite Wege die Bewohner dieser Orte, bei den Obrigkeiten auf mehr Eigenständigkeit zu drängen. Das Ziel war eine eigene Pfarrei, damit zum Beispiel die Unteregger, Goldacher oder Horner nicht mehr zu Fuss oder mit dem Schiff bis nach Arbon zur Kirche mussten. Als in der Region Rorschach dann das Kloster St. Gallen nebst der kirchlichen weitgehend auch die weltlich-staatliche und wirtschaftliche Macht übernahm, gab es gleiche Bestrebungen auf politischer Ebene: Für den Status als Gericht oder wenigstens als Hauptmannschaft, was den Orten in einigen Punkten Selbstverwaltung ermöglichte.

Für kurze Zeit fusioniert
Der Kanton als Nachfolger ab dem Jahr 1803 verlangte grössere Gemeinden. Er fusionierte auch in der Region Rorschach jeweils zwei oder mehr Dörfer zu einer Kreisgemeinde. Die Fläche spielte dabei kaum eine Rolle; entscheidendes Kriterium waren mindestens 1000 Einwohner. Für das Ziel, dass die Gemeinden ihre Aufgaben – unter denen das «Armenwesen» eine der finanziell gewichtigen war – möglichst aus eigener Kraft erfüllen können.

Doch Rorschach und Rorschacherberg kamen gar nie richtig zusammen, weil sich die Rorschacher vehement gegen die Mitfinanzierung des damaligen «Armenhauses» am Berg wehrten. Und mit Ausnahme von Thal-Staad-Altenrhein zerfielen die anderen Kombinationen innert vier Jahrzehnten wieder (siehe Kasten). Streit um gerecht auf die Dörfer verteilten Einsatz der Steuergelder und um die Vertretung in den Behörden war eine der Ursachen, dass die neuen Einheiten nicht zu Gemeinschaften zusammenwuchsen. Aber auch der Wunsch, das über lange Zeit aufgebaute Eigenleben der Dörfer zu bewahren, war stärker als er Ruf nach rationeller Verwaltung.

Es blieb alles beim Alten
Wieder grössere Gemeinden zu bilden, war dann in der Seeregion eineinhalb Jahrhunderte lang nur für Rorschach/Rorschacherberg ein Thema, wobei alle Anläufe scheiterten. Die Entwicklung bis zu aktuellen Fusionsprojekten mit anderen Kriterien als Fläche, Einwohnerzahl oder historisch Gewachsenes werden wir in einem weiteren Beitrag aufzeigen.

Stichwort
Gemeindegrenzen seit 160 Jahren unverändert

1463: Kloster St. Gallen und Bistum Konstanz tauschen Horn und Obergoldach; die Kantone als Nachfolger belassen Horn bis heute als Thurgauer Insel.

1803, mit der Gründung des Kantons St. Gallen: Kreisgemeinden Thal-Buechen-Staad-Altenrhein, Rorschach-Rorschacherberg, Grub-Eggersriet-Untereggen, Goldach-Mörschwil, Tübach-Steinach-Berg.

1803: Rorschach trennt sich gleich wieder von Rorschacherberg.

1826: Goldach und Mörschwil trennen sich.

1828: Untereggen trennt sich von Eggersriet-Grub.

1832: Steinach trennt sich von Tübach-Berg.

1846: Auch Tübach und Berg trennen sich – als bisher letzte Änderung am Bestand der Gemeinden in der Region Rorschach.

Beisammen blieben bis heute die Dörfer um den Buechberg als Gemeinde Thal sowie Eggersriet-Grub SG.