Ein Wald voller Zwerge

Hinter der Eingangstür zum Kindergarten in Tübach liegt eine Waldlandschaft. Unter den Füssen knirschen Holzspäne, in der Luft schwebt der Duft nach Tannennadeln und Moos. Hinter grossen grünen Tannen aus Papier taucht plötzlich eine rote Zwergenmütze auf. Und noch eine und noch eine. Im «Zwergenwald» haben sich nicht etwa die sieben Zwerge aus der Märchenwelt versammelt, sondern die 25 Kindergärtler aus Tübach.
In sieben Schritten zum Ziel
Unter Anleitung der beiden Kindergärtnerinnen Corina Früh und Katia Granwehr beschäftigen sie sich seit Wochen mit dem Thema Wald. Sie haben Laub, Tannenzapfen, Zweige, Moos und Steine gesammelt und in den Kindergarten gebracht. An sechs Posten vertiefen sie das Thema. Da entstehen Vogelhäuschen und Bilder aus Ton, da wird gehämmert, gesägt und geleimt. Zusammen mit Hauswart Pascal Heiniger und Werkhofleiter Franz Koller durften die Knirpse gar eine eigene «Gigampfi» aus einem Baumstamm und Ästen bauen. «Wir freuen uns sehr über die Erweiterung unseres Spielplatzes», sagt Kindergärtnerin Corina Früh.
Das Projekt «Zwergenwald» findet im Rahmen der neuen Begabungsförderung an der Schule in Tübach statt. Im vergangenen November fiel der Startschuss mit einem Impulstag im Wald. Danach folgten insgesamt 120 Schulkinder dem von den Amerikanerinnen Cindy Nottage und Virginia Morse entwickelten 7-Schritte-Modell: Sie wählten ein Thema, das sie an diesem Tag am meisten interessiert hat. Dann formulierten sie Ziele und hielten diese in einem Lernvertrag fest. Sie sammelten Informationen und gaben die Quellen an. Dann entschieden sie sich, wie sie ihr Projekt präsentieren wollten. Nach der Präsentation schliesslich überprüften sie, ob die Ziele erreicht wurden. Dabei wurden sie von den Lehrerinnen und Lehrern unterstützt.
Begabungen wecken
Für die Kindergärtler von Corina Früh und Katia Granwehr gab es zwar kein 7-Schritte-Modell wie in der Primarschule, aber auch sie erarbeiteten Informationen zu einem Thema. So haben drei Kinder einen kleinen Vortrag über das Waldtier Eichhörnchen gehalten. Die Primarschüler haben sich laut Schulleiter Michael Meyer allgemein mit dem Thema Natur beschäftigt. Ziel der neuen Begabungsförderung in Tübach ist, dass die Kinder lernen, eine selbst gewählte Aktivität über einen längeren Zeitraum hinweg selbständig zu verfolgen. Dabei sollen die Begabungen eines jeden Schulkindes entdeckt und gefördert werden.
«Aufwendig, aber sehr wertvoll»
Die Schule Tübach orientiert sich an dem Schulischen Enrichment-Modell aus Amerika, mit dem auch in Untereggen erfolgreich gearbeitet wird. Nach Abschluss des ersten Zyklus zieht Michel Meyer zufrieden Bilanz: «Die Lehrkräfte beurteilen das Projekt als aufwendig, aber sehr wertvoll. Und die Schulkinder waren begeistert.» Das selbständige Arbeiten und die Fähigkeit, sich in eine Materie zu vertiefen, konnten laut dem Schulleiter gefördert werden. Die ersten Erfahrungswerte bezüglich Organisation und Durchführung seien wichtig für den nächsten Zyklus der Begabungsförderung. Dieser beginnt im kommenden Herbst.