Ein Staunen auf den Gesichtern

Ein wunderschöner Frühlingsabend neigte sich am Freitag langsam seinem Abschluss entgegen. Weit entfernt erinnerten dunkle Wolken daran, dass das Wetter auch ganz anders sein könnte. Auf dem Dorfplatz aber herrschte eine für einen Theaterabend ideale Atmosphäre. Sämtliche Sitzplätze waren besetzt, einige besonders Gewitzte hatten eigene Regie-Sessel mitgenommen. Auch der Techniker war von seiner unfreiwilligen Rundreise via Trübbach gerade rechtzeitig noch angekommen. Vier jungen Frauen gelang es dann, ein nicht mehr lächelndes Staunen auf die Gesichter von wohl achtzig theaterbegeisterten Menschen zu zaubern. Die vier Frauen bilden die Diplomklasse der Theaterschule Bewegungsschauspiel Comart in Zürich. Sie haben sich drei Jahre lang zu Schauspielerinnen ausbilden lassen, sind nun seit Anfang April auf Tournée in verschiedenen Theaterstädten des Landes, machen am 27.Mai im Kellertheater Wil noch ein letztes Mal Halt in unserer Region. In Tübach führten sie ihre einzige Open-Air-Darbietung auf. Sie enthielt drei ganz unterschiedliche Stücke, die aber alle darauf ausgerichtet waren, das Publikum zu fesseln.

Leise, anregend, packend

Wo aber hätten sie für ihr stilles musikalisches Märchen ein besseres Plätzchen finden können als unter freiem Himmel. Dort konnten sie ihr Wirken in einer abgeschiedenen Pension darstellen, das je nach den wechselnden Umständen ängstigende oder erheiternde Leben am Strand und in der zum Träumen anregenden Einsamkeit Ausdruck geben.

Heiter, beinahe ein bisschen obszön dann die Fragen auf dem Umfragebogen zum zweiten Stück, zu «Hundert und eine Frage». Dabei wollten die Schauspielerinnen ja nur überspitzt aufzeigen, dass jede einzelne Frage die Gefahr birgt, statt den erhofften Antworten bloss neue Fragen hervorzurufen.

Das dritte Stück, jenes ganz ohne Worte, mit dem sonderbaren Titel «Das Lachen im Fuss» hat uns am besten gefallen. Die Schauspielerinnen unterhielten sich mit ihrem Publikum in einer ganz neuen Sprache, redeten mit ihrer Mimik, setzten Hände, Füsse, ja sogar ihre Haare ein. Auch diese Nummer werde bei jedem Auftritt mit ganz wenigen von der Bühne abhängigen Änderungen genau gleich aufgeführt. Wie man sich da jedes Detail so genau merken kann, bleibt für uns ein an Wunder grenzendes Kunststück.

Ein dankbares Publikum

Die Zuschauer dankten mit nicht endendem Staunen, immer wieder auch mit herzlichem Zwischenapplaus und dem Personal vom «Löwen», gelang es, den Service so einfühlsam wahrzunehmen, dass man ihn kaum wahrnahm, obwohl er während des ganzen Abends tadellos funktionierte. Das sei es, was sie mit ihrer Kunst anstreben, die Menschen zum Staunen, zum Lachen, zum Beifall klatschen zu bringen, sagten die jungen Schauspielerinnen im anschliessenden Gespräch. Das ist ihnen in Tübach gelungen. Sie lobten die Tübacher als ein Publikum, wie sie es anderswo kaum so mitgehend erleben. Besonders gefallen hat auch die Kinderschar, welche am Nachmittag schon beim Bühnenaufbau mitgeholfen hatte und am Abend dann in den vordersten Reihen voll dabei war.