Ein Platz zum Durchatmen

Blickt Jürgen Altmann aus seinem Küchenfenster zu Hause in Goldach, sieht er zwischen zwei Baumwipfeln gerade noch den Giebel des ehemaligen Restaurants Ruheberg. Immer wieder zieht es ihn und seine Frau Renate zum Aussichtspunkt oberhalb Tübachs. Mindestens dreimal im Monat begeben sich die beiden auf ihre «Tübach-Runde», mit Start in Goldach über die Halden und durchs Tübachholz zum Ruheberg. «Sobald man aus dem Wald tritt, hat man diesen wunderbaren Blick über das Kloster Scholastika, vorne den Ruheberg und dahinter der See», schwärmt Jürgen Altmann. An der Aussicht bis nach Deutschland und Österreich und an den wechselnden Stimmungen des Sees in der Rorschacher Bucht kann er sich nicht satt sehen. «Es ist faszinierend zu beobachten, wie der See seine Farbe wechselt. Mal ist er blau, mal grün, mal grau.» Das Gefühl der Weite und der Ruhe, das er hier empfindet, macht den Ruheberg für ihn zu einem ganz besonderen Platz. Um sich zu erholen, um abzuschalten.
Bis 1986 ein Restaurant
Auf den Ruheberg spazieren die Altmanns seit sie 1972 nach Goldach gezogen sind. Weil der Aussichtspunkt von vielen Orten in der Umgebung aus zu sehen ist, wollten sie damals einmal hinauf. Seither kehren sie immer wieder zurück und haben so auch einen Teil seiner Geschichte miterlebt. Das heutige Wohnhaus wurde 1810 vom St. Galler Kaufmann Julius Hieronymus Schlatter als Sommersitz erbaut. Durch Heirat ging das Gut in den Besitz der Familie Huber über. Friedrich III Huber und seine Frau Lisette eröffneten hier 1893 eine Wirtschaft. 1986 schloss das Restaurant Ruheberg. Seit 2003 besteht der heutige Aussichtspunkt mit den Steinquadern und Holzpfählen mit Gucklöchern, die den Blick wie durch ein Fernrohr auf Orte am andern Bodenseeufer lenken.
Auch Jürgen Altmann hat sein Fernglas immer dabei. Der Ruheberg ist für die Altmanns nämlich auch deshalb ein besonderer Platz, weil sie hier gleichzeitig ihr Zuhause in Goldach sehen und die Orte Lindau und Bregenz, wo sie aufgewachsen sind.
Jede Jahreszeit, jedes Wetter
Die Altmanns haben den Ruheberg in jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung erlebt. Jede habe seinen Reiz. Selbst bei Nebel gefällt es Renate Altmann hier. Da sie Bücher wie «Die Nebel von Avalon» möge, könne sie sich diese Geisterwelt dann gut vorstellen. Für sie zählt in erster Linie aber auch die Weite, die sie hier fühlt. «Hier habe ich immer das Gefühl, dass ich durchatmen kann.» Nur zu einer Zeit waren die Altmanns übrigens noch nie hier: nachts.