Eigenes Flugbillett fürs Akkordeon

Sie gehört bis zum 3. August zu den jungen Schweizerinnen und Schweizern, welche als «Musica Helvetica Iuvenilis» mit Volksmusik und Schweizer Popsongs den Kulturaustausch anregen wollen.

Wichtigste Ergänzung
Musik ist für Jenny Piras wichtigste Ergänzung zu Ausbildung und Beruf. Sie, die einst während zwei Jahren die Blockflöte gespielt hatte, und ihr Bruder Donat fielen schon vor Jahren als Akkordeon spielende Zwillinge auf. Sie wurden von Ruedi Wachter unterrichtet. Heute ist Jenny Piras Schülerin von Jürg Schmid in St. Gallen. Bei Niklaus Looser in Rorschach lernte sie die Mandoline spielen und später kam der Kontrabass dazu. Das Alphorn und das Schwyzerörgeli stehen auch noch auf der Wunschliste. «Ich strebte an der Kantonsschule stets eine gute Durchschnittsnote an. Wenn ich diese halten konnte, konnte ich mir für die Musik etwas mehr erlauben», erklärt Jenny Piras. Sie ist dankbar für das Verständnis ihrer Eltern ihrem Hobby gegenüber, lobt, wie sie die Mutter immer wieder zu Proben und Konzerten gefahren habe.

Inzwischen wurde Jenny Piras von etlichen Formationen entdeckt. So wirkt die junge Frau, welche bald an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft studieren wird, im Akkordeonorchester Rorschach, im Corale Pro Ticino San Gallo und im Mandolinen-Orchester St. Gallen mit und ist an den Tübacher Formationen «Sternecheibe» und «Urchig High» beteiligt. Neuerdings singt sie – wieder mit Bruder Donat zusammen – im Jodlerclub Echo vom Bodensee in Arbon mit, wohin sie die Leiterin Rita Grab zum Schnuppern eingeladen hatte.

Lehrer verteilte Einladungen
Jenny Piras lacht, als wir fragen, wie es zur Russland-Reise gekommen ist. Sie erzählt, dass ihr Musiklehrer an der Kantonsschule Einladungen für Auftritte im Ausland verteilte. Sie bewarb sich, mit «Musica Helvetica Iuvenilis» zur Botschafterin der Schweiz in Russland zu werden. Nach einem Ausscheidungskampf gegen ihren Bruder – «Mal bin ich besser, dann wieder er», erklärt sie – wurde sie angenommen. Sie probte einmal wöchentlich in Aadorf mit und bestand am 24. Juni auch die öffentliche Hauptprobe auf der Bodenseefähre Euregio. Und dies, obwohl sie am Tag zuvor erfolgreich und entsprechend anstrengend am Jodlerfest in St. Moritz dabei gewesen war. Gestern Sonntag nun ist «Musica Helvetica Iuvenilis» nach Moskau abgeflogen, wobei für Jenny Piras Akkordeon ein eigenes Billett zu kaufen war.

Fünf aus der Ostschweiz
Zu den neun Musikern gehören drei junge Leute aus dem Kanton Freiburg, welche das Schlagzeug, den E-Bass und das Klavier spielen und ein Alphorn-Bläser aus dem Kanton Luzern. Dazu kommen fünf Ostschweizer: Nicolas Senn aus Romanshorn spielt das Hackbrett, Philipp Sutter aus Altstätten die Geige, Lisa Rutz aus Ebnat-Kappel das Cello, Jenny Piras aus Tübach das Akkordeon und Cindy Thürlemann aus Waldkirch singt. Gilbert Tinner aus Kirchberg wirkt als musikalischer Leiter und Elian Stähli aus Aadorf ist für die gesamte Organisation zuständig, hat die Visa und die Flugbillette besorgt,

Je zwei Kilo Schokolade
In der russischen Föderation werden die jungen Schweizerinnen und Schweizer insgesamt fünfzehn Konzerte geben. Sie treten vor einheimischen Jugendlichen in Musik-Ferienlagern in Brjansk und Belgorod, Regionen im Westen Russlands, auf. Um die Russen zu verwöhnen, haben sich die musikalischen Botschafter der Schweiz mit je zwei Kilogramm Schweizer Schokolade eingedeckt. Sie geben auch für Angehörige der Regierung ein Konzert und werden am 1. August bei der Schweizer Botschaft in Moskau zu Gast sein.

Ob sie für diese Reise russisch gelernt habe, fragen wir Jenny. Russisch sei besonders für Leute mit einer Latein-Matur eine schwierige Sprache, antwortet sie. Sie habe sich mit der fremden Schrift vertraut gemacht, verstehe und rede auch einige «Brocken».

Und ist «Musica Helvetica Juvenilis» dann am 3. August aus Russland zurück, macht sich Jenny Piras gleich auf ins Sommerlager im Haus der Volksmusik in Seedorf.