«Die bürgerliche Unterstützung hat gefehlt»

«Ich habe alles gegeben, mehr war nicht mehr möglich», sagt Michael Götte. Und trotzdem heisst der siebte St. Galler Regierungsrat nun Fredy Fässler und nicht Götte. Bitter? «Ich bin schon enttäuscht.» Weshalb hat es nicht geklappt? «Die bürgerliche Unterstützung hat gefehlt.» Es dürften wohl zahlreiche CVPler und FDPler links gewählt haben – «und damit ihrer eigenen Politik untreu geworden sein», sagt Götte.
Deutlicher wird die Partei: «Auf das Wort der anderen bürgerlichen Parteien ist kein Verlass.» Und weiter: «Es ist nicht mehr möglich, im Kanton St. Gallen einen bürgerlichen Schulterschluss zu schliessen.» Politbeobachter Bruno Eberle sieht den Grund dafür auch bei der SVP selbst; wer den andern Parteien jahraus jahrein ans Bein pinkle, könne nicht mit Unterstützung rechnen.
«Nicht gegen Götte gerichtet»
Herbert Huser, der neue St. Galler SVP-Präsident, relativiert denn auch im Gespräch. Er spricht zwar auch von bürgerlichem «Lippenbekenntnis» – «doch eigentlich finde ich es gut, wenn Bürgerinnen und Bürger selbständig entscheiden und nicht einfach der Parteiparole folgen, auch wenn wir in diesem Fall die Leidtragenden sind.» Huser glaubt denn auch: «Das Ergebnis richtet sich nicht gegen Michael Götte, es richtet sich gegen die Partei.» Und er ortet einen «Stadt-Land-Röstigraben»: Dieser sei der SVP «zum Verhängnis» geworden. «Stadt und Land driften immer stärker auseinander. Diese Entwicklung muss uns zu denken geben – nicht nur der SVP.»
Eine andere Gemeinde?
Hat am Ende Thimo Forrer – er erzielte über 4000 Stimmen – Götte den Sieg gekostet? Huser wie Götte verneinen. Kehrt Götte der Politik nun den Rücken? Er winkt ab. Er bleibe Fraktionschef und Gemeindepräsident von Tübach – «nach heutigem Stand stelle ich mich im Herbst zur Wiederwahl». Ein 40-Prozent-Engagement. Also keine Gelüste, nach Arbon zu wechseln, wie wiederholt gemunkelt wurde? Er lacht: «Ich wurde aus sieben oder noch mehr Gemeinden angefragt, ob ich Interesse am Gemeindepräsidium hätte». Er beginnt aufzuzählen: Arbon, Altstätten, Bad Ragaz, Berneck, Eichberg, Gaiserwald, Waldkirch, Wil. «Eher als meine politische Tätigkeit wird sich meine berufliche verändern.»