Die Schulden im Griff

Es ging ein Raunen durch die Mehrzweckhalle, als Gaiserwalds Gemeindepräsident Andreas Haltinner an der Bürgerversammlung zum Thema Schulden kam. 2009 habe die Gemeinde noch eine Nettoschuld von gut 770 Franken pro Einwohner gehabt, sagte er. 2010 seien es gerade noch gut 200 Franken gewesen. Und schon bald könnte das Bild sogar noch besser aussehen. Nachdem die Gemeinde auf den 1. Januar 2009 die Einheitsgemeinde eingeführt hatte, stellte der Kanton einen Zustupf von rund 1,2 Millionen Franken in Aussicht (Tagblatt vom 19. November). «Aber das Geld ist noch nicht in Gaiserwald angekommen», sagte Haltinner.
Tiefe Schulden, weniger Zinsen
Sinkende Schulden: Damit ist Gaiserwald kein Einzelfall. Seit 1999 ist die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinden im Kanton St. Gallen um die Hälfte gesunken. «Das ist sehr erfreulich», sagt Walter Frei, Abteilungsleiter beim Amt für Gemeinden. Denn ein Vorteil einer tiefen Verschuldung sei, dass die Gemeinden von Zinsen und Abschreibungen auf dem Verwaltungsvermögen entlastet seien. «Dadurch ist der finanzielle Spielraum grösser.»
Die Pro-Kopf-Verschuldung allein sei aber ebenso wenig aussagekräftig wie der Steuerfuss allein, sagt Frei. «Entscheidend ist auch, ob eine Gemeinde ihre Infrastruktur à jour hält und ob sie ihre Investitionen selber finanzieren kann oder Geld aufnehmen muss.» Allgemein könne man sagen: «Bisher haben die Gemeinden gut gearbeitet.»
Gewohnt hohe Steuererträge
Ihren Spitzenwert erreichte die Pro-Kopf-Verschuldung im Jahr 1999. Damals waren die St. Galler Gemeinden durchschnittlich mit rund 3630 Franken verschuldet. 2004 waren es 2889 Franken, 2009 noch 1734 Franken. «Und die Verschuldung könnte weiter sinken», sagt Frei. Bedingung sei, dass die Gemeinden weiterhin auf Steuererträge in gewohntem Rahmen zählen könnten. Und dass sie die Ausgaben im Griff behalten.
Um die finanzielle Situation der Gemeinden untereinander zu vergleichen, wurde ein schweizweit gültiger Massstab eingeführt. Eine Nettoschuld unter 1000 Franken gilt als tiefe Verschuldung, bis 5000 Franken als mittlere Verschuldung, darüber als hohe Verschuldung. Empfehlungen, wie hoch sich eine Gemeinde verschulden darf, gebe der Kanton keine ab, sagt Frei.
Zwischen 0 und 2000 Franken
2009 erhielten die St. Galler Gemeinden laut Statistik des Kantons im Durchschnitt 475 Franken pro Einwohner an Beiträgen aus dem Finanzausgleich (NFA). Häggenschwil und Muolen sind in der Region mit rund 2000 Franken pro Einwohner die grössten Empfänger, dicht gefolgt von Untereggen (1750 Franken) und Waldkirch (1650 Franken). Auch die Stadt St. Gallen erhält unter dem Titel «Sonderlastenausgleichsbeiträge für Zentrumslasten und zentralörtliche Leistungen» rund 340 Franken je Einwohner. Hingegen erhalten Mörschwil, Tübach, Gaiserwald und Gossau keinen Rappen aus dem Finanzausgleich.
Tübach und Berg mit Vermögen
Ein Blick in die aktuellste Finanzstatistik aus dem Jahr 2009 zeigt, dass es den St. Galler Gemeinden mehrheitlich gutgeht. 11 von 86 Gemeinden haben keine Schulden, sondern ein Nettovermögen, 13 eine tiefe Nettoverschuldung. Darunter auch die Stadt St. Gallen, Gossau, Gaiserwald, Untereggen oder Mörschwil. 53 weisen eine mittlere Verschuldung auf und 9 eine hohe. Am höchsten verschuldet war 2009 die Gemeinde Krinau (9567 Franken pro Kopf).
Den tiefsten Wert nicht nur in der Region, sondern kantonsweit weist Tübach mit einem Nettovermögen von 2295 Franken pro Kopf auf.
In der Region hat Häggenschwil die höchste Pro-Kopf-Verschuldung (+3081), Berg SG nach Tübach die zweittiefste (-26). Damit belegte Berg im Jahr 2009 kantonal Platz 11 von 86 Gemeinden. Wobei die kleine Gemeinde bald wieder eine Nettoschuld aufweisen dürfte, da grössere Investitionen im Raumbedarf anstehen.
St. Gallen vor Mörschwil
Erstaunlich: Bereits auf Rang 15 folgt die Stadt St. Gallen. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 332 Franken liegt sie gar vor Mörschwil mit 372 Franken (Rang 16). Gaiserwald belegt Rang 19. Mörschwil weist damit seit Jahren erstmals wieder eine Nettoschuld statt ein Nettovermögen auf. Gemeindepräsident Paul Bühler relativiert die Zahlen. «Wir haben keine Schulden, sprich: keinen Bankkredit», sagt er. Vielmehr schlage die neue Dreifachhalle mit rund 14 Millionen Franken zu Buche. Und diese muss, obwohl längst aus dem eigenen Kässeli bezahlt, von Gesetzes wegen in maximal 25 Jahren abgeschrieben werden. So lange wird sie die Mörschwiler Gemeinderechnung jährlich mit rund einer halben Million Franken belasten.