Der letzte Strommast fällt

«Was in den Anfangszeiten der Elektrizitätsversorgung als technische Errungenschaft galt, verschwindet mehr und mehr…» So leitete die Elektra Tübach ihre Information zu dem ein, was nun erfolgte: der Abbruch ihrer letzten Freileitung, die vom Waldeggkreisel aufwärts an der Strasse nach St. Gallen stand.
Andere Leitungen bleiben oben
Stromleitungen sind an Masten störungsanfälliger, unterhaltsintensiver und gefährlicher als im Boden. Zudem beeinträchtigen Freileitungen Orts- und Landschaftsbilder. Trotzdem werden einige weiterbetrieben – auch in Tübach: Nahe der jetzt abgebrochenen letzten eigenen bleibt die oberirdische Stromleitung der SBB. Für Bahnen, Trams und Trolleybusse gibt es noch kaum technische Alternativen zu Fahrleitungen, die über Trassees und Strassen gespannt sind. Auch grosse Leitungen zum Transport von Strom in hoher Spannung über weite Strecken hängen noch oft an Masten – weil Erdleitungen deutlich mehr kosten.
Am Anfang ein Markt für Strom
Seit einigen Jahren wird der Strommarkt liberalisiert, können Kunden den Lieferanten wählen. Wieder, sollte man sagen. Denn zu Beginn der Elektrifizierung war das (mit Einschränkungen) auch möglich. Die Tübacher erteilten 1904 den Auftrag für ein Stromnetz der Gemeinde, wie vielerorts vorerst für Strassenlampen. Erst 1911 – vier Jahre nach Nachbar Goldach – unterbreitete der Gemeinderat den Kreditantrag.
Wie der Historiker Johannes Huber im Buch «Tübach – Einblicke in die Geschichte» berichtet, kam der entscheidende Anstoss aus dem Kloster, dem für die Elektrifizierung Offerten der Gemeinden Mörschwil und Goldach vorlagen.
Rorschach hatte bereits seit 1895 Strom – mit einem Netz, das ein Privatunternehmer aufbaute.