Der gerettete Waldpark als Bijou

Die Villa Neubrunn mit ihrem grosszügigen Umschwung liegt seit 1680 im westlichen Teil der Gemeinde auf einer Anhöhe an unverbauter Lage. Als sie 1984 zum Verkauf stand, war der im Kunst- und Antiquitätenhandel tätige Harald Lucian der einzige Interessent, der die Liegenschaft mit dem klassischen Gebäude für die Zukunft zu erhalten beabsichtigte.

Vor Überbauung gerettet

Verschiedene andere Kaufanwärter hegten Pläne, das ganze damals noch nicht unter Schutz stehende Gelände zu überbauen. Harald Lucian bekam den Zuschlag, setzte sich dafür ein, dass die Villa mit der Umgebung unter Schutz gestellt wurde. Er versprach, jedes Jahr an Tagen der «offenen Tore» den Garten zweimal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Gestern Sonntag war es wieder so weit, dass sich zahlreiche Kultur- und Naturfreunde einfanden, um sich am Bijou zu erfreuen und zu sehen, wie Harald Lucian seinen Besitz für die Nachwelt erhält. Unter den Besuchern waren auch Besitzer ähnlicher Herrschaftshäuser in der Region, welche sich vom Retter von Neubrunn Ratschläge holen wollten.
Wer von der Ruhbergstrasse her das Tor eines Wiener Künstlers durchschritten hatte und der von Harald Lucian angelegten Pappelallee entlang gewandert war, sah sich vor der Villa, an deren Fassade die Trauben und die Orangen reifen. Von Anfang an hatte Harald Lucian mit Erfolg Wert darauf gelegt, im Innern die Ausstattung von einst mit dem Komfort von heute zusammenzubringen.

Lob des Denkmalpflegers

Die Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher wurde gestern aber auf den Garten gelenkt. Auch ihm gilt die ganze Aufmerksamkeit des Besitzers. Er wendet nicht allein grosse finanzielle Mittel dafür auf, sondern legt immer wieder mit Freunden zusammen selbst Hand an, wenn es gilt, die Zeit zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zurückzurufen. Von Anfang an galt die Aufmerksamkeit des Besitzers den Resten eines aus dem Jahre 1812 stammenden Waldparkes. Dieser wurde unter grossem Aufwand vor dem Verschwinden gerettet.
Wege aus Sandsteinplatten wurden gelegt. Ein Weiher, an welchen nur noch Spuren erinnert hatten, wurde neu erstellt, um einen Putto mit wasserspeiendem Schwan bereichert. «Die Besonderheiten von Neubrunn für unseren Kanton sind: ein in den Wald hineinkomponierter Park mit Wegführungen, Bassins, ein Wechselspiel von natürlich gewachsenen Bäumen und dazu gesetzter Natur-Pflanzen. Wir sind sehr froh zu wissen, dass es in unserem Kanton eine Gartenanlage des Typs Waldpark gibt.
Es ist besonders wichtig, dass diese gepflegt, teilweise erneuert wird und somit als Ganzes erhalten werden kann.» So stellte einst Denkmalpfleger Pierre Heitz fest. Als es galt, im Zusammenhang mit der Erneuerung des Waldparkes Bäume zu fällen und neu aufzuforsten, wurde auch ein Biotop geschaffen. Ein durch einen unterirdischen Bach bewässerter Seerosenteich mit der Brücke zu einer kleinen Insel erinnert an ein Monet-Gemälde. Fische tummeln sich in seinem Wasser und der Reiher ist Stammgast hier.