Der engagierte Naturbursche

Eigentlich hatte Niklaus Stadelmann ganz andere Pläne: Der Landschaftsgärtner wollte bald seine Koffer packen und ein Jahr lang im Ausland arbeiten. Am liebsten in England, denn die Gartenkunst auf der Insel fasziniert ihn. Trotzdem spielte er immer wieder mit dem Gedanken, sich im Tübacher Gemeinderat einzubringen. «Ich dachte aber, dass ich zu jung sei für diese Aufgabe und habe den Gedanken wieder verworfen», erzählt der 23-Jährige.
Doch jetzt scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein: Gemeinderat Ernst Locher kündete an, nach sieben Jahren von seinem Amt zurückzutreten. Ende Jahr wird sein Sitz im Gemeinderat frei. Nach einem Gespräch mit Gemeindepräsident Michael Götte habe er sich für eine Kandidatur entschieden, sagt Niklaus Stadelmann und grinst etwas verlegen: «So wage ich jetzt den Schritt.»
Vom Büro in den Garten
Die Wahl in den Tübacher Gemeinderat wird für Niklaus Stadelmann jun. – junior deshalb, weil sein Vater denselben Namen trägt – eine Art Rückkehr sein. Denn er hat auf der Gemeindeverwaltung seine erste Berufslehre absolviert. Nach erfolgreichem Abschluss erhielt er eine Festanstellung. «Ich habe gerne dort gearbeitet und viel gelernt», sagt Niklaus Stadelmann rückblickend. Doch nach eineinhalb Jahren habe er gemerkt: «Ich will etwas anderes machen.»
Bei der Arbeit im Büro habe er es vermisst, draussen in der Natur zu arbeiten, seinen Körper einzusetzen. Sehnsüchte, die auch mit seiner Kindheit zu tun haben: Niklaus Stadelmann ist in einer Grossfamilie auf einem Bauernhof aufgewachsen. Der jüngere Bruder habe eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner gemacht und begeistert davon erzählt. So entschied sich der grössere Bruder eines Tages, es ihm gleich zu tun. Er begann eine zweite Ausbildung zum Landschaftsgärtner bei Pit Altwegg Gartenbau in Freidorf. Vom Berufstätigen wieder zum Lehrling – ein mutiger Schritt, auch in finanzieller Hinsicht. «Ich musste es einfach tun», sagt Niklaus Stadelmann und rückt seine Brille zurecht.
Jugend und Sicherheit
Niklaus Stadelmann will Gemeinderat werden, weil er sich mit seinem Heimatdorf stark verbunden fühlt und sich für die Allgemeinheit engagieren will. «Ich bin auch politisch interessiert», sagt der Parteilose. Ausserhalb der kommunalen Politik sei er aber wenig bewandert, und auch ein Beitritt zu einer Partei sei noch kein Thema. Auf die Frage, welche Ziele er sich für die Zeit im Gemeinderat gesteckt hat, überlegt er eine Weile. «Ich finde, dass sich wieder mehr Junge für die Gemeinde interessieren sollten.»
Wenn er wählen könnte, würde er im Gemeinderat das Amt Jugend und Sicherheit übernehmen. «Ich bin Mitglied bei der Feuerwehr und bei der Jugendgruppe», begründet er. Nachdem 2007 das Jugendcafé im Dorf geschlossen wurde, gründete er zusammen mit vier weiteren Jugendlichen eine Gruppe, die vier- bis fünfmal im Jahr zu speziellen Anlässen im Dorf einlädt.
Zu viele Tätigkeiten
Niklaus Stadelmann engagiert sich in verschiedenen Bereichen. Nebst der Feuerwehr und der Jugendgruppe ist er Mitglied im Turnverein, spielt Volleyball beim STV St. Gallen und trainiert Juniorinnen in Wittenbach. «Manchmal wird alles zu viel», gibt er zu. Zugunsten des Amts im Gemeinderat werde er eine oder zwei Tätigkeiten aufgeben müssen.
Nächstes Jahr wird der Naturbursche seine zweite Lehre abschliessen. Und er ist sich sicher, den richtigen Beruf gefunden zu haben. Den Traum vom Auslandjahr legt er vorerst auf Eis. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Am Sonntag, 25. September, findet in Tübach die Ersatzwahl eines Mitgliedes für den Gemeinderat statt. Niklaus Stadelmann jun. ist einziger Kandidat.