Der Kommunikator des Kantonsspitals

Ausgerechnet zum Zeitpunkt, als die Schweinegrippe ausbrach, nahm Philipp Lutz seine Arbeit in der Kommunikationsabteilung des Kantonsspitals St. Gallen auf. «Für die Kommunikation des Spitals kam das einer Gratwanderung gleich – einerseits mussten wir informieren, andererseits durften wir nicht zu viel warnen.» Das habe ihn geprägt und ihm gezeigt, wie schnell ein Ereignis zum Hype werden und Eigendynamik entwickeln könne. Und er stellte dabei fest, dass er wichtige Eigenschaften für die Unternehmenskommunikation eines Spitals besitze. Dazu zählt er seinen ruhigen Charakter, Diskretion, Verschwiegenheit, Sensibilität und seine Begeisterung für Sprachen.
Von der Pharma zum Fussball
Nach drei Jahren in der Kommunikationsabteilung verlagert Lutz den Schwerpunkt und fungiert seit Anfang Jahr als Medienbeauftragter des Kantonsspitals St. Gallen. «Ich verstehe mich als Dienstleister, als Vermittler von und zwischen Fachpersonen», erklärt der Tübacher, der in Horn und Thal aufgewachsen ist. So versuche er dem Spitalpersonal die Arbeit zu erleichtern. Eine Medienanfrage sei nämlich oft auch mit einem Eingriff in den Arbeitsablauf verbunden. «Bei einer Schraubenfabrik kann man diesen leicht unterbrechen, im Spital ist das schwieriger.» Auch wenn er den Kontakt zu den Medien schätzt, selbst stellt er sich nicht gerne aus. «Im Rampenlicht stehen ist nichts für mich», sagt er. Lieber schreibt er Artikel für das Mitarbeiter-Magazin, welches er redaktionell leitet, oder unterstützt das Spitalpersonal bei Öffentlichkeitsaufgaben.
Der Weg in die Kommunikationsbranche führte Philipp Lutz über den FC St. Gallen: Nach einer kaufmännischen Ausbildung, einem Aufenthalt in der Westschweiz – wo er seine Frau kennenlernte – arbeitete er bei einer pharmazeutischen Firma. Bald sehnte er sich nach einem Beruf, in welchem er seine Interessen mit der Arbeit verbinden und mit Menschen und Sprachen arbeiten kann. Dies fand er 1994 in der Öffentlichkeitsarbeit des FC St.Gallen. «Ich übernahm dort viel Verantwortung, rannte aber ständig der Zeit und dem Geld nach», sagt Lutz. Ende 1997, kurz nachdem er zum zweitenmal Vater geworden war, hatte er genug von den 24-Stunden-Tagen und Sieben-Tage-Wochen beim Fussballclub und suchte sich Arbeit «in einem ruhigeren Gefilde». Dieses fand er bei der Swica in Winterthur, wo er als Sprecher und Leiter der Unternehmenskommunikation tätig war. «Endlich konnte ich wieder unbefangen an einen Fussballmatch gehen, eine Bratwurst und ein Bier geniessen», sagt er. Die Arbeit bei der Swica sagte ihm zwar zu, doch der Arbeitsweg zwischen Tübach und Winterthur war auf die Dauer «an der Schmerzgrenze», wie der Vater von mittlerweile drei Kindern im Alter von 16, 15 und 10 Jahren sagt.
Nach acht Jahren bei der Krankenkasse stiess er 2009 zur Kommunikationsabteilung des Kantonsspitals und hat, dank kürzerem Arbeitsweg, seither etwas mehr Freizeit.
Am Wochenende auf das Brett
Diese verbringt er am liebsten auf dem Brett: «Ich bin begeisterter Snowboarder, auch wenn ich mit 46 Jahren zu den Älteren gehöre», sagt Lutz. Wenn möglich verbringt er mit seinem Nachwuchs jedes Wochenende auf der Piste. Ansonsten interessiert er sich fürs Reisen und Lesen, hört Musik, schaut sich Fussballspiele an oder geniesst mit seiner Familie das Heim und den Garten.
Doch auch seinen Job scheint er zu geniessen – auf die Frage, was er nicht gerne mache, weiss er keine Antwort. Manchmal «menschele» es, doch das sei bei einem Unternehmen mit gegen 5000 Mitarbeitenden völlig normal, sagt er.
In seinem Büro hört er den Anflug der Rettungshelikopter und denkt dann und wann an die Einzelschicksale der Betroffenen. «Freud und Leid liegen in einem Spital nahe beieinander.». Allzu sentimental werde er aber nicht, vielmehr fasziniere ihn das Zusammenspiel unterschiedlicher Berufsgruppen; die Arbeit der Ärzte, des Pflegepersonals oder die neuartigen Therapieformen. «Am meisten beeindrucken mich aber bescheidene Menschen mit einem gesunden Menschenverstand.»