Der Booking-Agent aus Zufall

Das Schlagzeug knallt, die Gitarren kreischen. Das Publikum tanzt, trinkt und tobt zur wilden Rockmusik, die von der Bühne schallt. Am Ende des Konzerts werden die Zuschauer müde und erschöpft sein, das Gehör wird grösstenteils von einem Pfeifen oder Rauschen dominiert werden. Verantwortlich für die Anwesenheit der Band ist Andreas Vogler. Der 24-Jährige bringt Bands aus Proberäumen und dem Ausland auf lokale Bühnen – alles von seinem Zimmer in Tübach aus.
Vom Videoclip zum Organisator
Begonnen hat Andreas Voglers Karriere als Booking-Agent durch Zufall. «Mein erster Erfolg war das Konzert der Berliner Band Poolstar im Hafenbuffet», sagt der kaufmännische Angestellte. Er habe im Jahr 2007 ein Musikvideo der Band gesehen und gedacht, dass ein Konzert – Andreas Vogler nennt es fachmännisch «Gig» – in der Schweiz eine gute Idee sei. E-Mails wurden geschrieben, der Ort gefunden, Poolstar trat im «Häfi» auf. «Ich hatte damals noch gar keine Pläne, ins Business einzusteigen», sagt Andreas Vogler. Ein Jahr später übernahm der Tübacher das Management der Band Waiting for Tuesday, für die er bis zu deren Auflösung Konzerte organisierte, T-Shirts und Sticker bedruckte.
Den ersten grossen Coup landete Andreas Vogler 2009, als er seine Kontakte zu lokalen Konzertbühnen nutzte, um in Zusammenarbeit mit Rod González, dem Bassisten der deutschen Punkband Die Ärzte, eine kleine Konzerttour für die Deutschpunk-Band Abwärts organisierte. Andreas Vogler fiel auf, dass er eigentlich ein recht gutes Standbein in der Konzertbranche hat. «Der Gedanke, etwas mit meinen Kontakten anzufangen, drängte sich mehr und mehr auf», sagt er. Im März 2010 wurde sein Label «Blackbird Booking» – der Name eine Anlehnung an den Nachnamen des Gründers – eröffnet.
Bands in die Welt hinaustragen
Mittlerweile arbeitet Blackbird Booking mit 16 regionalen und internationalen Bands zusammen – darunter Tüchel aus St. Gallen und Brefsunajax aus dem Rheintal. «Die Bands sind entweder alte Bekannte oder Leute, die ich an deren Konzerten entdecke», sagt Andreas Vogler. Im letzten Jahr besuchte Andreas Vogler über 70 Konzerte und fünf Open-Air-Festivals.
Wenn er nicht gerade Bands auf Bühnen bringt oder selbst im Publikum mittanzt, dann schaut sich Andreas Vogler nach neuen Talenten um. Er sucht im Moment eine Rockabilly Band sowie eine Folkrock-Truppe, denen er Gigs verschaffen kann. Sein Ziel ist klar: «Ich will Bands aus der Region in die weite Welt hinaus bringen», sagt Andreas Vogler.
Dass dabei der finanzielle Aspekt – Vogler arbeitet nebst Booking und Konzertbesuchen Vollzeit – auf der Strecke bleibt, stört den Tübacher nicht. Er veranstalte die Konzerte nicht, um reich zu werden, es gehe um die Musik. «Sollte der grosse Reichtum aber daherkommen, ich würde nicht <Nein> sagen», sagt er und lacht.