Berg öffnet Gartenhag einen Spalt

Wirklich überrascht über die Resultate ist Gemeindepräsident Paul Huber nicht. Aber zufrieden mit dem Rücklauf. 615 Fragebogen hatte die Gemeinde versandt, um wichtige Fragen zur künftigen Organisationsform zu klären. Mehr als die Hälfte, nämlich 333 Fragebogen, kamen ausgefüllt zurück. Und 70 Prozent davon beantworteten die Frage «Wünschen Sie sich auch in Zukunft eine eigenständige Gemeinde Berg SG?» mit einem Ja. Bei der letzten Befragung im Jahr 2007 hatten noch fast 80 Prozent ein Ja angekreuzt.
Steinach vor Mörschwil
Allerdings sagt in der aktuellen Befragung auch gut die Hälfte der Berger Ja zu Fusionsabklärungen mit einer umliegenden Gemeinde. Dass einerseits 70 Prozent eigenständig bleiben wollen, andererseits 51 Prozent Fusionsabklärungen wünschen, sei etwas verwirrend, sagt Paul Huber. «Für uns heisst das, dass wir weiterhin Augen und Ohren offen halten müssen, was mögliche Fusionspartner angeht.»
Fast 41 Prozent der Befragten gaben an, wenn Fusion, dann am liebsten mit Steinach. Gespräche mit Gemeindepräsident Roland Brändli seien bereits erfolgt. Das Ergebnis: Für die Steinacher kommt eine Fusion derzeit nicht in Frage. Am zweitliebsten würden die Berger mit Mörschwil fusionieren (22,8 Prozent), dann mit Tübach (17,9), Wittenbach (15,2) und Häggenschwil (3,4). Weitere Fusionsgespräche drängen sich im Moment aber aus Berger Sicht nicht auf. «Für uns sind die 70 Prozent aussagekräftig, die sich für ein eigenständiges Berg ausgesprochen haben.»
Synergien nutzen ohne Fusion
Zudem ist Huber der Meinung, dass eine allfällige Fusion sowieso im grösseren Stil erfolgen müsste. Das heisst, nicht nur Berg sollte fusionieren, sondern gleich mehrere kleine Gemeinden der Region, wie beispielsweise Tübach: «Man müsste auf jeden Fall über unsere zwei Gemeindegrenzen hinausschauen», sagt Huber. Aber auch ohne Fusion sei künftig sicher eine stärkere Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden sinnvoll und nötig, um Synergien in den verschiedenen Ämtern nutzen zu können.
Nachfolger extern suchen
Was Huber etwas mehr Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass sich 79 Prozent künftig einen vollamtlichen Gemeindepräsidenten wünschen. Huber arbeitet 45 Prozent. Einen Vollzeit-Gemeindepräsidenten zu finden für ein 850-Einwohner-Dorf dürfte kein Leichtes sein. Die zu wählende Person müsste laut Huber idealerweise über Verwaltungserfahrung verfügen und in der Lage sein, bestimmte Ämter wie das Finanzamt überhaupt führen zu können. «Es ist nicht gesagt, dass wir jemanden finden, der diese Anforderungen erfüllt.» Gerade weil sich die Suche schwierig gestalten dürfte, habe man die Zukunftsfrage so früh aufgegleist. Noch sind es zweieinhalb Jahre, bis Paul Huber Ende des Jahres 2016 pensioniert wird. Den konkreten Zeitplan für die Suche nach einem Nachfolger müsse man zuerst im Gemeinderat festlegen. Sicher sei: «Man wird extern suchen müssen.»
Noch offen ist hingegen, wer die Suche in die Hand nimmt in einem Dorf ohne politische Parteien. Vermutlich werde man eine Findungskommission einsetzen, sagt der Gemeindepräsident, für den klar ist: «Ich jedenfalls werde meinen Nachfolger nicht suchen.»