Bereit für die Trüffeljagd

Yvonne Bienvenu Mayer sitzt draussen vor der grauen Wand beim Tübacher Gemeindehaus und erinnert sich daran, wie diese vor sechs Jahren in eine schwarze «Klagemauer» verwandelt wurde. Als Gemeinderätin und Präsidentin der Kulturkommission hatte sie damals den Künstler Philippe Glatz eingeladen, eine Kunstaktion in seinem Heimatdorf zu machen. Einwohnerinnen und Einwohner konnten die schwarze Wand als Kommunikationsplattform nutzen und Wünsche und Anregungen in den schwarzen Lack kratzen. Eine Aktion, die im 1200-Seelen-Dorf für Aufsehen gesorgt hat und dank der die Gemeinderätin Yvonne Bienvenu Mayer den Tübacherinnen und Tübachern in Erinnerung bleiben wird.
Von nun an als Gast
Nach zehn Jahren zieht sich die 58-Jährige per Ende März aus dem Tübacher Gemeinderat zurück. Nicht etwa weil sie amtsmüde wäre, sondern weil sie aus privaten Gründen den Wohnsitz nach Niederbüren verlegt hat. In Tübach ist sie bis übermorgen verantwortlich für die Ressorts Kultur, Soziales und Alter. «Mein Herz schlägt vor allem für die Kultur», sagt Yvonne Bienvenu Mayer. «Der Kulturkommission ist es gelungen, auch in einem kleinen Dorf gutbesuchte Anlässe auf die Beine zu stellen. Darauf kann sie stolz sein.» Die Präsidentin denkt etwa an das Adventssingen, an die TübNacht, Vernissagen oder Projekte wie das Tübacher Kochbuch.
Ausserdem sitzt Yvonne Bienvenu Mayer in der Friedhofskommission, der Vormundschaftsbehörde, der Einbürgerungskommission und in der Baukommission. «Die Ästhetik des Dorfes ist mir ein grosses Anliegen», sagt sie. «Ich hoffe, dass das Zentrum weiterhin urtümlich bleibt.»
Die Mutter von drei erwachsenen Kindern wohnte 16 Jahre in Tübach. Der Abschied von Dorf und Gemeinderat fällt ihr nicht leicht. «Die Bevölkerung hat mir viel Vertrauen und Unterstützung entgegengebracht», sagt sie. Viele Freundschaften seien entstanden. Sie werde weiterhin an Dorfanlässen teilnehmen – von nun an aber als Gast. Die vergangenen Tage nutzte Yvonne Bienvenu Mayer, um ihre Nachfolgerin Birgit Koster Schöb in die Geschäfte einzuarbeiten. Sie freue sich, dass die Kollegin aus der Kulturkommission die Wahl gewonnen habe.
Den Trüffeln auf der Spur
Am 31. März wird sie ihr das Amt als Gemeinderätin übergeben. Yvonne Bienvenu Mayer freut sich, wieder mehr Zeit für sich zu haben und sich ihren Hobbies Wandern, Kochen, Gärtnern und Pilzesammeln widmen zu können. Viel Zeit wird auch die Erziehung ihres jungen Hundes in Anspruch nehmen. Die Rasse Lagotto Romagnolo habe eine ausgeprägt feine Nase und eignet sich besonders für die Trüffelsuche. Yvonne Bienvenu Mayer ist überzeugt, dass sie und ihr Hund nicht nur in Südfrankreich, sondern auch in unserer Region fündig werden. «Wenn die Jagd erfolgreich ist, werde ich den Tübacher Kochclub besuchen und ein paar Trüffel mitbringen», sagt sie augenzwinkernd.
Könnte sie sich vorstellen, irgendwann wieder für einen Gemeinderat zu kandidieren? Yvonne Bienvenu Mayer lacht und überlegt kurz. «Warum eigentlich nicht? Ich bin politisch interessiert und habe in Tübach sehr gute Erfahrungen gemacht.»