Bank schliesst Geschäftsstellen

«Ein-Frau- oder Ein-Mann-Betriebe sind in der Bankbranche nicht mehr zeitgemäss und auch nicht mehr kundenfreundlich.» Das nennt Präsident Peter Zürcher als Hauptgrund für den Entscheid des Verwaltungsrates der Raiffeisenbank Goldach, die Geschäftsstellen in Tübach und Untereggen im Laufe des zweiten Halbjahres 2007 zu schliessen.

In diesen sind vorwiegend noch alltägliche Schaltergeschäfte möglich. Das soll weiterhin angeboten werden, neu jedoch an Automaten. «Das hat nicht nur Nachteile für die Kunden: Der Bancomat ist immer zugänglich, die Schalter hingegen sind nur wenige Stunden geöffnet», sagte Bankleiter Niklaus Zahner gestern an der Medienorientierung. Andere Geschäfte wickelt die Bank bereits bisher am Hauptsitz in Goldach oder bei Kunden ab.

Gründlich geprüft
Leicht fiel dem Verwaltungsrat die seit drei Jahren erwogene Schliessung nicht. Mehrere Punkte führten nun nach Auskunft von Präsident Peter Zürcher zu diesem Entscheid: das in so kleinen Banken beschränkte Angebot, die zunehmenden Regelungen durch die Bankenaufsicht, Sicherheitsfragen – Banken, in denen oft jemand allein arbeitet, sind besonders gefährdet – und Investitionsbedarf für den Umbau der nicht mehr zeitgemässen Räume.

Personal wechselt nach Goldach
Über die Änderung informierten Verwaltungsrat und Bankleitung in diesen Tagen das Personal, die Gemeindebehörden, den Raiffeisenverband, die Kunden und nun auch die Öffentlichkeit.

In Tübach und Untereggen sind bisher bei der Raiffeisenbank je eine Leiterin und eine Stellvertreterin tätig sowie zur Aushilfe Leute vom Hauptsitz. Eine Geschäftsstellenleiterin wird dieses Jahr pensioniert, die anderen Mitarbeiterinnen werden in Goldach weiterbeschäftigt. «Es gibt hier entsprechende Mehrarbeit, und wir haben Platz», erklärt Niklaus Zahner. In Tübach und Untereggen werden Kunden noch persönlich bedient, bis Standorte für Bancomaten gefunden, diese neuen Angebote in Betrieb und die damit nicht vertrauten Kunden instruiert sind. Die beiden Liegenschaften will die Bank danach möglichst verkaufen.

Längerer Weg, mehr Angebote
Routinemässige Bankgeschäfte erledigen Kunden und Bank immer mehr schriftlich, telefonisch, elektronisch oder an Automaten. In ihre Bank gehen viele Leute nur noch für Rat bei Geldanlagen und wenn sie Kredite benötigen. Für diese immer wichtigeren Bereiche hat die Bank Spezialisten. In Dörfern wie Tübach und Untereggen mit nur tausend Einwohnern und nahe grosser Orte können solche wegen zu geringer Nachfrage nicht beschäftigt werden. Deshalb hätten die Dorfbanken auch nicht überlebt, wenn sie selbständig geblieben wären. Eher hätten sie ohne die vor zwölf Jahren vollzogene Fusion mit Goldach früher geschlossen.

Nun müssen die Raiffeisen-Kunden den etwas längeren Weg nach Goldach in Kauf nehmen, wo ihnen dafür alle Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

Verlust für Gemeinden
Stärker sind die Auswirkungen für die Gemeinden. Direkt verlieren sie ein Element des Dorflebens, einige Arbeitsplätze und jährlich einige tausend Franken Steuern. Indirekt bewirkt die Schliessung der Bank, dass Einwohner weitere Geschäfte auswärts tätigen, womit es auch für Post und Läden im Dorf noch schwieriger wird, zu überleben.