Baggern mit Fingerspitzengefühl

Zurzeit sind am Mühlebach Bagger und Armeefahrzeuge im Einsatz. Das Katastrophenhilfe-Bataillon 4 verbreitert den Kanal. Ziel ist, dem Wasserlauf wieder seine ursprüngliche Form zu verleihen und einen Wasserdurchlauf von 500 Liter pro Minute zu ermöglichen. Damit sollte das Wasserrad in der Aachmühle 30 Haushalte mit Strom versorgen können.

Kulturgut bewahren
Gemeinderat Ernst Locher erklärt, worum es bei dem Projekt geht: «Der Mühlebach ist ein Industriekanal und war massgeblich für die Industrialisierung von Horn und Tübach verantwortlich. Früher wurde er zweimal pro Jahr ausgebaggert, um die Verschlammungen zu entfernen. Das Militär versetzt den Kanal jetzt wieder in seinen Urzustand.» Dabei, betont Locher, stünde nicht etwa ein finanzieller Gewinn im Vordergrund, sondern die Erhaltung der Aachmühle als Kulturgut.

Neues Bataillon im Einsatz
Für die Armee ist die Kanalverbreiterung eine willkommene Übung. Denn das Katastrophenhilfe-Bataillon, das in Tübach im Einsatz steht, ist eine von zwei solchen Einheiten, die erst am 1. Januar 2007 gegründet und der Territorialregion 4 (Ostschweiz) unterstellt wurden. «Das Tübacher Projekt ist eine heikle Aufgabe für unsere Spezialeinheiten», erklärt Daniel Reimann, Major im Generalstab. Die Tiefe des Kanals dürfe nämlich nicht verändert werden. «Genau darin liegt für uns der Trainingseffekt», sagt Reimann, «unsere Spezialisten müssen im Ernstfall in der Lage sein, ihre Maschinen mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu bedienen.» Eigentlich täten sie nichts anderes, als eine Drainage eines gestauten Flusses zu legen. Genau diese Situation könne es auch im Falle eines Hochwassers geben, führt Reimann aus. Es sei selten der Fall, dass die Spezialisten an einem so grossen Projekt wie in Tübach ihre Fähigkeiten verbessern könnten, fügt Oberleutnant Jürg Schefer an.

Eine grosse Portion Idealismus
Das Militär arbeitet ohne Entgelt am Mühlebach, ebenso der Grundstückbesitzer und weitere Freiwillige. Die Arbeit am Bach solle so weit wie möglich ehrenamtlich geschehen, erklärt Ernst Locher. Denn hinter dem Projekt stehe eine grosse Portion Idealismus. «Wasserkraft ist zwar im Trend, aber die Aachmühle nur ein kleines Kraftwerk. Das macht aber nichts, denn ausschlaggebend ist die Möglichkeit, auf ökologische Weise Strom zu produzieren.»