Arbeiten ohne Stundenlohn

Um neun Uhr morgens treffen sich arbeitswillige Frauen, Männer und Kinder. Zwei Traktoren mit Anhänger stehen bereit, um die Ortsbürger zum Arbeitsplatz am Waldrand unterhalb der Autobahn zu fahren. Dass dieser Anlass auch im Zusammenhang mit Geselligkeit steht, belegt die Flasche mit Kümmi-Schnaps, mit der vor Arbeitsbeginn angestossen wurde. Eine Aktion, die gleichermassen als Zeckenbiss-Prävention zu betrachten sei, sagt Patrick Bischoff, Präsident des Ortsbürgerrats Tübach. Unter den Anstossenden ist auch Gemeindepräsident Michael Götte mit seiner Familie. Er muss diesmal auf das Mitarbeiten verzichten, da für ihn die letzten Anstrengungen im Rahmen der Regierungsratswahl anstehen.
Die Probleme der Waldbesitzer
Am Waldrand wartet bereits die schon eingerichtete Holzspaltmaschine. Die Arbeit kann beginnen. Über die Arbeitseinteilung muss der Ortsbürgerpräsident keine grossen Worte verlieren. Denn bereits seit 1976 wird diese Aktion jährlich durchgeführt und jeder kennt seine Aufgaben. Sechseinhalb Hektaren Wald nennen die Tübacher Ortsbürger ihr Eigen. Und die bereiten auch Probleme. Karl Bischoff, Vorgänger von Patrick Bischoff, erinnert sich an die Anfänge der Aktion «Waldputzete», deren richtige Bezeichnung eher Waldpflege heissen sollte. «Wir waren damals knapp bei Kasse», erinnert sich Bischoff. Das war der Auslöser für die Aktion. Seither setzen sich die Ortsbürger selbst ein für die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes.
Ökologie und Biodiversität
Für Patrick Bischoff ist es klar, dass mit der Waldbewirtschaftung nie eine schwarze Null geschrieben werden kann. «Wir verkaufen das fertig zugerichtete Brennholz. Müssten wir für dessen Fertigung Stundenlöhne bezahlen, würde der Holzpreis nicht ausreichen», sagt er. Doch bei der Arbeit der Ortsbürger geht es auch um die Waldpflege. Die ökologischen Aspekte sind wichtig wie auch jene der Biodiversität. So werden stets neue Bäume gepflanzt und in Absprache mit dem Förster Baume gefällt.
Funktionierende Gemeinschaft
Fürs leibliche Wohl wird am Samstag gesorgt: Für alle Mitarbeitenden gibt es einen Zmittag und einen Znüni. Der mittlerweile 86jährige Hans Jakob ist wie jedesmal auch mit von der Partie und bringt traditionellerweise einen guten Schnaps mit. Es ist eine gelebte Gemeinschaft, die bei den Tübacher Ortsbürgern gut funktioniert.