Anker fürs «Schilte-Sechsi»

Freitagabend auf dem Marktplatz: Auf einer Bühne spielt ein Musiktrio sanfte, jazzige Töne. Davor stehen Leute an Stehtischen oder sitzen auf Bänken, sie essen und trinken, unterhalten sich. Es ist bewölkt, aber ziemlich warm. Der Grund für die Menschenansammlung und die musikalische Darbietung: das Stadtfest. Für zwei Tage verwandelte sich die Rorschacher Innenstadt am Wochenende wieder zum Festzelt.
Wer bekommt den Anker?
Zurück zur Bühne auf dem Marktplatz: Kurz vor acht Uhr wird die Musik unterbrochen, und Moritz Meichtry, Präsident des Rorschacher Gewerbevereins, nimmt das Mikrophon in die Hand. Vor der Bühne hat sich das Rorschacher Gewerbe versammelt. Gleich wird der vierte Rorschacher Unternehmerpreis, der Goldene Anker, verliehen. Meichtry begrüsst die Leute – darunter auch Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller – und richtet einige Worte an die Anwesenden. Dann übergibt er das Mikrophon an Caspar Angehrn, Ehrenpräsident des Gewerbevereins. Er hält die Laudatio für die diesjährigen Gewinner des Unternehmerpreises. Und Angehrn macht es spannend: «Der diesjährige Goldene Anker geht an einen untypischen Betrieb», sagt er. Es sei keine grosse Firma mit vielen Mitarbeitern und einem riesigen Umsatz. «Nein, der Preis dieses Jahr steht für alle, die zwar viel tun, aber immer auch ein bisschen vergessen gehen, weil sie sich nicht in den Vordergrund drängen.» Über wen Caspar Angehrn da spricht? Es sind Esther Boppart und Carlo Bonetti von der Wirtschaft zum Schilte-Sechsi auf dem Lindenplatz – sie sind die Unternehmer des Jahres, sie sind die Gewinner des Goldenen Ankers. «Sie haben aus Freude an der Sache verschiedene Events angestossen, die heute schon zur Tradition gehören», sagt Angehrn. Sie haben den Lindenplatz wieder belebt, waren die Initiatoren von «Weihnacht auf dem Lindenplatz», hatten die Idee zum Chlauszug. Sie richten jeden Herbst das Weinfest aus und organisierten jedes Jahr einen Flohmarkt. Die Liste geht noch weiter. Für diese Verdienste wurden die beiden jetzt ausgezeichnet. Sichtlich gerührt nehmen sie den Preis auf der Bühne entgegen. Die Gewinner ringen um Worte: «Danke vielmals», sagt Esther Boppart. «Wir müssen das zuerst einmal verdauen.»
Volle Strassen
Der Abend auf Rorschachs Strassen geht noch weiter: Auf den zwei Bühnen wird Musik gespielt, vor allem Rock und Pop. Es ist kurz vor 21 Uhr, die Strassen sind voller Leute. Es ist fast kein Durchkommen, man muss sich den Weg freikämpfen. Links und rechts Stände. Würste brutzeln auf den Grills, Schnitzelbrote werden bestrichen, Zuckerwatte wird gedreht. Ein merkwürdiges Gemisch an Düften liegt in der Luft. Es fallen einige Tropfen vom Himmel. Die Organisatoren sind auf schlechtes Wetter vorbereitet: Überall stehen Zelte, unter denen man im Notfall Schutz vor Nässe suchen könnte. Der Regen bleibt aber glücklicherweise aus. So kann am Stadtfest unbeschwert gefeiert werden.