Ab 50 Franken im Viererzimmer

Bis 12. März müssten 84 Unterschriften eingereicht werden, damit über den Teilzonenplan Kellen-Waldegg an der Urne entschieden würde. Gemeindepräsident Michael Götte weiss, dass das Hotel mit der eigenwilligen Sandsteinfassade in Tübach nicht nur auf Gegenliebe stösst. Es hat auch zwei Einsprachen gegeben. Die eine wurde zurückgezogen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie nicht berechtigt war. Die andere wurde vom Gemeinderat abgewiesen.

Landkauf für Hotelzufahrt
Des weiteren ist ein Landkauf erforderlich, über den die Tübacher demnächst ebenfalls entscheiden müssen. Es handelt sich um die rund 14 000 Quadratmeter grosse Parzelle 374, die der Goldacher Bruggmühle gehört. Davon sollen rund 4000 Quadratmeter für die Hotelzufahrt eingezont werden. Der Rest würde Landwirtschaftszone bleiben. Götte: «Der Kauf wird vom Gemeinderat insofern befürwortet, als eine Landreserve, auch ohne Hotelprojekt, nicht falsch sein kann.»

12 Mio. Franken Baukosten
Im Sommer 2008 wurde «The Wall», das Projekt von Max Dudler, Berliner Stararchitekt mit Staader Wurzeln, für ein vierstöckiges und 100 Meter langes Hotel zum ersten Mal vorgestellt (Tagblatt vom 29. Juni). Bauherr ist dessen Schwager Bruno Rutishauser aus Tübach, der rund zwölf Millionen Franken investieren will. Er war es auch, der mit Landabtausch seinerzeit Hand geboten hatte, dass die Sportanlage Kellen realisiert werden konnte. Rutishauser glaubt an den Erfolg und den weltweiten Trend, wonach Reisende immer mehr bevorzugen, zu angemessenen Preisen «chic and cheap» (elegant und günstig) zu nächtigen, und das Geld lieber anderweitig ausgeben. In «The Wall» soll eine Übernachtung im Vierbettzimmer rund 50 Franken kosten. Ohne Frühstück.

Bedarf ausgewiesen
100 Zimmer soll «The Wall» haben, worüber sich Boris Tschirky, Direktor von Tourismus St. Gallen-Bodensee, freut: «Der Bedarf ist ausgewiesen; in unserer Region besteht ein Mangel an grösseren Hotels, insbesondere während Kongressen.» Potenzial sieht er auch bei Velotouristen, Geschäftsreisenden oder Schulungsteilnehmern, die abends gerne noch Sport treiben. Thomas Würth, Präsident Zweckverband Sportanlage Kellen, ergänzt: «Sportvereine werden hier ihre Trainingslager absolvieren. Das belebt die Anlagen auch während des Tages und bringt Einnahmen.» Er betont: «Hotelgäste dürfen aber nicht die einheimischen Vereine konkurrenzieren, die abends weiterhin wie gewohnt ihre Trainings durchführen können.»

«Ideale Erschliessung»
Die Vorteile überwiegen auch für Raumplaner Thomas Eigenmann, St. Gallen: «Architekt Max Dudler, der sich bekanntlich nicht mit Alltäglichem begnügt, wird mit etwas Einmaliges schaffen, das sich wie eine Trockenmauer aus Sandstein in die Landschaft schmiegt und zusammen mit der Sportanlage eine Einheit bildet.» Geradezu ideal sei auch die Erschliessung von der St. Gallerstrasse her und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Auch die technische Erschliessung sei kein Problem. Der Ball liegt nun bei den Tübacher Stimmberechtigten. Michael Götte hofft, dass sie die Chance wahrnehmen, «weil für Tübach keine Emissionen zu erwarten sind, weil wir nur profitieren können, weil solche Investitionen, deren Bedarf ausgewiesen ist, unterstützt werden sollen und weil Tübach Hand bieten kann für ein aussergewöhnliches Bauwerk».