211er-Bus im Viertelstundentakt

Pendler kennen den Gedanken: «Wieder nur ein Stehplatz.» Bereits am frühen Morgen sind die Busse von Steinach nach St. Gallen vollgestopft. Geschäftsleute mit Laptops und Schüler mit Rucksäcken stehen Schulter an Schulter im 211er-Bus. Ihr gemeinsames Ziel: St. Gallen. Steinacher seien noch die glücklichen, sagt der Tübacher Gemeindepräsident Michael Götte. Spätestens bei den letzten Haltestellen in Horn seien laut den Beschwerden, die mehrfach auf den Gemeinden eingingen, keine Sitzplätze mehr frei. Und Tübacher müssten sich gar keine Hoffnungen mehr auf Sitzplätze machen.
«Die Beförderung war zwar mit den Stehplätzen sichergestellt», sagt Götte, «aber die Fahrt nach St. Gallen war keine angenehme.» Zudem könne eine Fahrt mit dem Postauto nach St. Gallen nicht mit einer kurzen Seebusfahrt verglichen werden, denn die Reise nach St. Gallen dauert laut Fahrplan 26 Minuten. Es sei eine Reise, die immer mehr Menschen täglich unternehmen. «Zudem gilt es zu beachten, dass die Gemeinden Steinach, Horn und Tübach stetig wachsen.» Darum schritten die Gemeinden zur Tat und erstellten einen neuen Fahrplan. Gemäss diesem fährt das Postauto ab Donnerstag, 11. Oktober, zwischen 6.30 Uhr und 7.30 Uhr im Viertelstundentakt von Steinach nach St. Gallen. «Wir haben diesen Termin festgelegt, damit die Postautobetriebe Zeit für die Detailplanung und Fahrzeugbeschaffung haben», sagt Götte. Mit der Olma habe das nichts zu tun, fügt er an.
Kunstgriff im Neudorf
Der erste Bus, der um 6.40 Uhr bei der Obersteinacher Käserei losfährt, verkehrt aber nur bis ins St. Galler Quartier Neudorf. Dies, damit beim Viertelstundentakt nur ein zusätzliches Fahrzeug eingesetzt werden muss. Bei der Planung seien verschiedene Alternativen geprüft worden. So sei zur Debatte gestanden, dass zwei Busse hintereinander herfahren. Dies wurde dann aber verworfen. «Es wird im Neudorf aber nur wenige Minuten dauern, bis ein Bus der Verkehrsbetriebe St. Gallen oder ein Postauto aus Rorschach vorbeikommt und die Pendler ins Zentrum bringt», sagt Jürg Eschenmoser, Regionalleiter der Postauto Schweiz AG. Der neue Fahrplan sei noch nicht erprobt, doch er hoffe, dass Pendler, die aufs Auto umgestiegen sind, wieder zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückfinden.
Ab 2014 im offiziellen Fahrplan
Der Viertelstundentakt gehört aber, obwohl er im offiziellen Fahrplan eingetragen ist, nicht zum Regelbetrieb der Postautos. Die Gemeinden bestellen den Kurs separat und bezahlen den Betrieb selbst. Zwischen Oktober 2012 und Dezember 2013 fallen insgesamt 97 000 Franken an. Wie auch beim Fahrplanmodell seien auch bei der Finanzierung verschiedene Modelle zur Diskussion gestanden. «Wir haben überlegt, die Kosten nach Anzahl Einwohner oder nach Nutzen für die Einwohner aufzuteilen», sagt Götte. Am Ende hätten die drei Gemeinden aber den einfachsten Weg gewählt und die Kosten gedrittelt. Somit bezahlt jede Gemeinde nun 32 333 Franken an die zusätzlichen Kurse.
Das Ziel der Gemeinden ist aber klar. Michael Götte: «Wir wollen, dass die Busse ab 2014 in den ordentlichen Fahrplan der Postautos aufgenommen werden.»