135 Schüler in zwei Zimmern

Die Schule Tübach feierte am Samstag ihr 100 Jahre jung gebliebenes Schulhaus. Ein ehemaliger Schüler erinnerte sich. «Das Schulhaus ist noch fast gleich geblieben, nur wurde es innen modernisiert und aussen renoviert.»

Sanfter Druck des Kantons
Ganz Tübach schien am Samstag auf den Beinen zu stehen, um ihr Schulhaus zu feiern. Dem Festakt am Morgen folgten am Nachmittag Spiele und Besichtigung einer Schulhaus-Ausstellung sowie ein Abendprogramm mit Unterhaltung, an welchem 240 Gäste, davon 200 ehemalige Schülerinnen und Schüler, erschienen.

Tübachs Schulpräsident Bruno Gschwend forschte nach und stellte fest, dass die Schulbürger am 7. Mai 1905 den Schulhausbau beschlossen. Das alte Schulhaus am Dorfplatz sei nämlich aus allen Nähten geplatzt. So ganz freiwillig sei der Bau aber nicht zu Stande gekommen. Schon im Jahr 1902 habe der Erziehungsrat die Aufforderung erteilt, eine zweite Lehrkraft einzustellen. Schliesslich haben die Stimmbürger am 17. Juni 1906 einem Budget von 92 000 Franken zugestimmt. Nach Abschluss aller Arbeiten wie Kanalisation, Umgebungs- und Bildhauerarbeiten haben sich die Gesamtkosten auf 124 019 Franken belaufen, stellte er fest.

Theater im Schulzimmer
Die neuen Platzverhältnisse mit jetzt zwei Schulzimmern mussten wie eine Befreiung gewesen sein. Oberlehrer Karl Federer hatte damals alle Kinder von der vierten bis zur achten Klasse, nicht weniger als 68, in einem einzigen Klassenzimmer unterrichtet. Unterlehrerin Marie Oberholzer habe es in ihrem Klassenzimmer mit 67 Schülern von der ersten bis zur vierten Klasse zu tun gehabt. Heute werden im modernisierten Schulhaus noch praktisch gleich viele Schüler und Kindergärtler wie damals unterrichtet; selbstverständlich in deutlich kleineren Klassen. «Die Zukunft unserer Schule ist auch weiterhin gesichert», blickte Bruno Gschwend zufrieden voraus.

Manchem ehemaligen Schüler fiel das moderne, helle Innere des Hauses auf. Bertha Wehrle-Bischoff, die das Schulhaus in den Dreissigerjahren besucht hatte schwärmte von früher. «Im Kindergartenzimmer hatten wir jeweils schöne Theateraufführungen gemacht.» Auch ihrem Bruder Anton Bischoff ist das Schulhaus noch heute ans Herz gewachsen. «Aber der Eingang war damals von Osten und nicht wie heute von Norden her gerichtet. Und das Zimmer, in welchem sich ausgestopfte Tiere befanden, wurde auch als Impfzimmer genutzt.»

Witzige Darbietungen
Ein grosses Kompliment erhielten neben den Schulbehörden die Lehrerschaft und Kindergärtler und Schüler für die Organisation des Festes. Die Schüler gestalteten eindrückliche Darbietungen mit viel Witz, Charme und Einfallsreichtum. Die Inszenierung des Tübacher Festliedes unter der Leitung von Ruth Falk bildete dabei einen der vielen Höhepunkte.

Gemeindepräsident Michael Götte anerkannte, dass das Schulhaus wahrscheinlich heute noch das wichtigste Haus im Dorf sei. Der sanktgallische Erziehungsrat Max Knöpfli bezeichnete das alte Haus als ein Bijou der Architektur in neuem Gewand.